Es hat einen Eigenwert online miteinander in Kommunikation zu sein und ist nicht nur ein Mittel der Wahl in der derzeit notwendigen räumlichen Distanz – auch theologisch betrachtet.

Social Web ist „locus theologicus“, weil es ein Ort ist, an dem die Selbstmitteilung Gottes gefunden werden kann[1]. Der konkrete Mensch als Subjekt in seiner personalen und geschichtlichen Verfasstheit kommt damit in den Blick, der Ort ist die Welt, auch die Welt des Internets. Das Internet kann zu einem Ort werden, wo sich Menschen von Gott ansprechen lassen und auf seinen Ruf antworten[2]. Eine theologische Deutung der Beziehungserfahrungen im Web als „kleine Transzendenten“ (Thomas Luckmann) im Alltag verweist einerseits auf die Differenz zwischen Gottes- und Beziehungserfahrungen, andererseits aber auch auf die Durchsichtigkeit dieser in Richtung „großer Transzendenten“.[3]

Der Kern religiöser Kommunikation im Internet ist immer personale Kommunikation. Dabei ist der Vergleich mit monotheistischen Gebetstraditionen erhellend:

„Ein Gegenüber, unkörperlich, umbegreifbar, ein Geheimnis – aber eine Person, die angeredet werden kann und Antworten vernehmen lässt, mithin eine Person, die im virtuellen Raum des Gesprächs fernanwesend wird.“

Christina COSTANZA[4]

Das Social Web ist ein Ort, der im Vergleich zu tradierten kirchlichen Orten große Differenzen und neue Herausforderungen mit sich bringt. Sich darauf einzulassen, bringt einen kulturellen, theologischen und religiösen Perspektivenwechsel mit sich. Dadurch kommen aber auch neue Dimensionen des Evangeliums zu Sprache. Hildegard Wustmans macht das anhand des Apostelkonzils deutlich, auf dem paradigmatisch um die Autorität des Ortes gerungen wurde. Das Apostelkonzil hat sich dafür entschieden, nicht bei der Grammatik des Ortes Jerusalem zu verbleiben und das Christentum bis an die Grenzen des römischen Reiches auszubreiten. Im Ortswechsel drückt sich die Nachfolge Jesu aus, die Methodologie ist die Inkulturation[5].

Wird fortgesetzt …


[1]      Vgl. Böntert, Stefan, Gottesdienste im Internet. Perspektiven eines Dialogs zwischen Internet und Liturgie, Stuttgart 2005, 41.

[2]      Vgl. Feiner, Veronika, Gottesdienste per Mausklick, in: Wessely, Christian/Ornella, Alexander D. (Hgg.), Religion und Mediengesellschaft. Beiträge zu einem Paradoxon, Innsbruck 2010, 257275, 261.

[3]      Vgl. Costanza, Christina, Fernanwesenheit, Personen im Social Web im Lichte der Theologie, in: Costanza, Christina, Ernst, Christina, Personen im Web 2.0. Kommunikationswissenschaftliche, ethische und anthropologische Zugänge zu einer Theologie der Social Media, Göttingen 2012, 127-145, 144.

[4] Costanza, Fernanwesenheit, 142.

[5]      Vgl. Wustmans, Hildegard, Mission – ein Projekt des Ortswechsels in der Theologie, in: Franz, Thomas/Sauer, Hanjo (Hgg.), Glaube in der Welt von heute, Theologie und Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, Würzburg 2006, 360-369, 366 f.