Oct
13

Mein Profil-Update

Ich habe grade meine Profile bei Xing und LinkedIn auf den neuesten Stand gebracht. Facebook war schon vor ein paar Tagen dran, da bin ich ja öfter unterwegs. Die erst genannten sind ja, so wie ich so nutze, nur bessere Telefonbücher. Und die sollten stimmen, um ihren Zweck zu erfüllen. Der Grund ist ein höchst erfreulicher. Ich habe es geschafft: Ich habe mein Theologiestudium abgeschlossen.

Yeah! Yeah! Yeah! Ich kann es immer noch nicht so recht glauben. Es ist noch nicht ganz echt, angekommen, innen drin. Aber doch schon 9 Tage alt, denn die Diplomprüfung war am 4. Oktober. Naja, vielleicht kann ich es dann glauben bei der Sponsionsfeier, die am 1. Februar ansteht.

Das "unecht"-Feeling hat vor allem einen biografischen Grund. 1990, vor 23 Jahren, habe ich das erste Mal an einer Uni inskripiert. Soziologie und Jus war es an der JKU. Jahre später habe ich im Bourdieu-Seminar gelernt, dass dieses "Fremd-Feeling" an der Uni für mich als "Arbeiterkind" nie weggehen wird und mir biografisch mitgegeben ist, eingeschrieben ist. Aber zu wissen, warum das so war, war doch manchmal aufschluss- und hilfreich.

Ich habe an der JKU nie fertig studiert, aber an der Uni durch mein Engagement in der ÖH, der Studierendenvertretung, echt viel gelernt. Das Packerl JKU-Scheine, die mir diese Tage wieder in die Hände gefallen sind, ist bescheiden ausgefallen. Jedenfalls waren es viel zu wenig für irgendeine Aussicht auf einen Studienabschluss.

Dann habe ich viele Jahre im Kunst- und Kulturbereich gearbeitet. Etwas, das ich auch wirklich gerne getan habe - und wo ich wieder viel gelernt habe und gestalten konnte. Aber irgendwie war da ein "nicht-genug"-Feeling - in zweifacher Hinsicht: eigentlich wollte ich schon ein Studium beenden und ich bin mit über 30 drauf gekommen, dass mir die rein innerweltlichen Antwortversuche nicht genug sind und dass, die_der, die_den wir "Gott" oder "Gött_in" nennen für mich von Bedeutung ist.

So habe ich die Spur der Theologie entdeckt. Im ersten Semester war ich ja eigentlich nur schnuppern auf der KTU und habe zwei Lehrveranstaltungen belegt - "schauen, ob die da eh was Gscheites machen" und ob das was mit Wissenschaft zu tun hat. Die KTU hat mich überzeugt und wurde forthin der Ort meiner religiösen Sozialisation (über das hinaus, was ich als Kind erlebte und was als Jugendliche einen radikalen Abbruch erfuhr).

Und es war lustvoll und sehr gewinnbringend dieses Studium. Die Theologie und die Philosophie hat mir Welten geöffnet: rational und persönlich. Als ich angefangen habe zu studieren, hatte ich keinerlei Idee, ob und was daraus jemals beruflich werden würde. Das war mir einfach egal. Es war einfach wunderbar an der Uni und ich nahm auch die nicht oft, aber doch, vorkommenden Pflichtlehrveranstaltungen, die mich nicht so interessierten, in Kauf. Das war sowieso selten, denn das Allermeiste habe ich immer geliebt. Vor allem auch das Gefühl, studieren und lernen zu können ohne gleich sofort zu fragen: "Ja, Immanuel Kant, Karl Rahner oder Mary Daly - und was nutzt mir das jetzt?". Im Hörsaal sitzen und da in strukturierter Weise neue Welten eröffnet bekommen: I love it!

Dieses Feeling konnte ich dann umso mehr genießen, als ich es gemanaget hatte, dass ich vier Jahre lang ohne viel berufliche Tätigkeit nebenbei mittels einer Outplacement-Stiftung eine Basisabsicherung vom AMS erhalten habe. Selbst vorher so unvorstellbare Dinge wie Alt-Griechisch zu lernen, machten wir enorme Freude.

Irgendwann kam dann die Zeit, wo ich doch wieder einen Job brauchte, um davon leben zu können. Heute sehe ich es als echte Fügung - von oben? ;-) - an, dass ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt die Katholische Aktion OÖ ein neues Zielgruppen-Projekt für junge Erwachsene mit dem Inhalt der Internetkommunikation mit diesen startete und sie dafür eine Mitarbeiterin suchten. Superspannend, denn das Internet hatte mich ja sowieso schon immer begleitet. Ich bewarb mich, es passte für alle und ich kriegte den Job. Daraus hat sich so manches weiterentwickelt ... aber das ist eine andere Geschichte ;-)

Ich studierte natürlich weiter. Und es wurde mühsam. Je cooler und spannender mein Job wurde (und er wurde und ist es noch immer!), je mühsamer wurde das Studieren. Relativ gut gingen nach wie vor geregelte Teile mit Anwesenheit an der Uni, schwieriger war schon die Diplomarbeit. Diese ist sicher dann letztlich inhaltlich sehr gut geworden, hat aber wesentlich länger gedauert als ich es selbst gewollt hatte. Manchmal war ich da auch schon am zweifeln, ob es klug war ausgerechnet das Thema meiner beruflichen Arbeit auch zum Thema meiner wissenschaftlichen Qualifizierungsarbeit zu machen. Whatever, heute eine müßige Frage. Die Diplomarbeit ist längst fertig und ab und zu freue ich mich selbst daran, wenn ich sie zur Hand nehme.

Was wirklich schwierig war, ist mein Scheitern beim ersten Antritt bei der Diplomprüfung. Nichts hat gepasst zu dem Zeitpunkt und es hat ziemlich lange gedauert bis sowohl die notwendigen Rahmenbedingungen als auch mein eigenes Feeling zum Studium wieder in Balance waren. Geholfen haben mir dabei sicher die Erinnerungen an die vielen schönen Jahre an der Uni, an die tollen Seminare, an die Freude bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Theologie und nicht zuletzt an die Menschen an der Uni. Mühsam war es zum Schluss, echt. Ich hatte das wirklich nicht clever angegangen. Aber, whatever: es hat geklappt. Es ist gut. Sehr gut. Sehr, sehr gut.

Ich geniesse es noch immer - und ich glaube das wird noch eine Weile anhalten. Ein bisschen Uni-Feeling gibt es sowieso noch, weil ich ja im Bereich Philosophie und Kunstwissenschaften, meinem Zweistudium, noch ein paar Scheine offen habe und so der Uni erhalten bleibe. Das werde ich wohl mit einer neuen Leichtigkeit machen können und auch alles andere, was ich noch so tun werde in Zukunft.

Studiert alle Theologie! Das beste Studium ever! Echt.

Foto: Flickr CC by-nc-sa clspeace

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