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Kommunikationschancen der Kirche mit Digital Natives (Ausschnitt Diplomarbeit)

Nachdem ich das letzte Mal als ich einen Ausschnitt meiner Diplomarbeit ins Netz gestellt habe (Der Begriff der Digital Natives) so gute Erfahrungen mit den anregenden Rückmeldungen gemacht habe, möchte ich das wieder tun. Dieser Abschnitt ist bezieht sich auf meine Schlussfolgerungen aus der Lektüre unterschiedlicher Untersuchungen, die alle mit den Sinusmodell arbeiten und die ich in den vorherigen Punkten detailiert dargestellt habe. Es ist vermutlich nur dann gut verständlich, wenn jemand dieses sozialwissenschaftliche Modell zumindest etwas kennt. Trotzdem möchte ich es probieren und freue mich über kritische Anmerkungen! Und ja: Es geht voran!

Foto: Flickr CC by re:publica 2012Foto: Flickr CC by re:publica 2012

Zusammenfassend werden hier einige zentrale Zusammenhänge aus den vorgehenden Darstellungen in Form von vier Thesen beleuchtet.

(1) Die Kirche hat, so die Ergebnisse der Sinusstudien, ein massives Kommunikationsproblem mit postmodernen Milieus, die Digital Natives sind. Internet und Social Web ist für sie ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags, es ist mit ihrer Identität, ihren Beziehungen und ihrem Informationsmanagement verwoben. Kirche wird von Menschen mit postmodernem Lebensstil als alt, verstaubt und reformresistent wahrgenommen. Im Alltag gibt es kaum Berührungspunkte, weil sie keinen Nutzen in den Angeboten der Kirche sehen. Der Vergleich verschiedener Untersuchungen zeigt: Je kirchendistanzierter jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er_sie Digital Native ist.

(2) Bemerkenswert ist, dass es offenbar postmoderne Milieus sind, die kirchliche Internetkommunikationsangebote sehr stark nachfragen, das macht der MDG-Trendmonitor deutlich. Das hat wenig mit ihrem religiösen Interesse zu tun. Vielmehr ist ihre intensive Internetnutzung dafür ausschlaggebend. „Internet-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, gehen am Internet-Publikum weitgehend vorbei“ (Meier, Klaus, Positionierung der katholischen Kirche im Internet, in: Communicatio Socialis 3/2006, 292) hat Klaus Meier schon 2006 formuliert. Da mittlerweile aufgrund steigender Internetnutzer_innen insgesamt mehr Menschen im Internet unterwegs sind, ist natürlich auch der Nutzer_innenkreis religiöser Angebote breiter geworden. Es darf davon ausgegangen werden, dass sich dieser Bereich insgesamt differenziert hat. Doch intensive Social Web-Nutzer_innen sind primär postmoderne Milieus. Insofern darf geschlussfolgert werden, dass Social Media-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, an der Dialoggruppe im Social Web weitgehend vorbeigehen. Die Ausnahme bilden dabei Jugendliche, denn diese kommunizieren alle - wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität - im Social Web.

(3) Gleichzeitig machen aber die Sinusstudien deutlich, dass es durchaus Chancen gäbe, einen positiven Kommunikationsraum mit diesen Milieus zu eröffnen, da sie mehrheitlich potentiell offen sind für Religion und noch mehr Glaube. Das Sinus-Institut nennt als grundlegende Veränderungstrendenzen unserer Gesellschaft drei Faktoren:

Modernisierung und Individualisierung: Öffnung des sozialen Raumes durch höhere Bildungsqualifikationen, steigende Mobilität und Kommunikation und dadurch erweiterte Entfaltungsspielräume und Wahlmöglichkeiten
Überforderung und Regression: Wachsende Überforderung und Verunsicherung durch den technologischen, soziokulturellen und ökonomischen Wandel, durch die Vielfalt der Möglichkeiten (Multioptionsparalyse) und die Entstandardisierung von Lebensläufen – mit der Folge von Orientierungslosigkeit und Sinnverlust, Suche nach Entlastung, Halt und Vergewisserung (Regrounding)
Entgrenzung und Segregation: Durch Globalisierung und Digitalisierung getriebenes Auseinanderdriften der Lebens- und Wertewelten, sozialhierarchische Differenzierung und wachsende soziale Deklassierungsprozesse, Erosion der Mitte, Entstehen einer kosmopolitischen Elite (One-World-Bewusstsein)

Es ist naheliegend, das Orientierungsangebote aus der christlichen Tradition in diesem Regrounding-Kontext auf Ressonanz stossen könnten. Die christliche Botschaft ist in der Lebenswelt der Postmodernen nicht irrelevant, das aktuell vorfindliche institutionelle Gefüge der Kirche verstellt aber in vielen Fällen die Möglichkeit einer positiven Kommunikation.

(4) Dass das Internet und das Social Web dabei eine erhebliche Rolle spielt, ist naheliegend. Manchmal finden sich sogar diesbezügliche explizite Appelle im Social Web. Expemplarisch sei hier der Blogger, Künstler und Medienjournalist Sebastian Baumer zitiert, der sich selbst als Atheist bezeichnet und schreibt:

Wäre ich die katholische Kirche, ich würde eine Webseite bauen lassen, auf der man die ganze Bibel lesen kann, schön übersichtlich gestaltet, mit einzelnen Kapiteln, Zusammenfassungen, Illustrationen und teuflisch schicker Typographie. Man könnte einzelne Textstellen markieren und twittern oder bei Facebook und sonstigen Social Networks posten. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, dann würde ich einmal im Jahr einen Wettbewerb ausrufen, bei dem zeitgenössische Schriftsteller meine besten Stories (Mose und das Meer, Die Apokalyse, Adam und Eva etc.pp.) neu schreiben und vortragen, ohne irgendwelche Vorgaben. Die Texte gäbe es im Bundle mit den zugehörigen Originalen für jedermann kostenlos als Print- und eBook-Version. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde alle meine abgefahren beeindruckenden Kirchen, Klöster und sonstigen Bauwerke weltweit in 3d photographieren und ne iOS-App bauen lassen, mit der man sie alle virtuell besichtigen kann. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde sofort mehrere Kampagnen starten, in denen ich den Leuten klar machen würde, dass in der Vergangenheit zwar einiges schief gelaufen ist, aber dass meine Kernbotschaft von Nächstenliebe und sich nicht wie ein Scheißasi benehmen eigentlich ziemlich zeitlos gut ist, egal, ob man an den alten Mann in Himmel glaubt oder nicht.
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde den Gottesdienst interaktiver und mit viel mehr Humor gestalten und würde jeden neu eingestellten Prediger dazu verpflichten, neben dem üblichen Beichtkram für die älteren Gläubigen einfach permanent für die Leute übers Netz erreichbar zu sein und bei Problemen aller Art zu helfen oder einfach nur zuzuhören.
Wäre ich die katholische Kirche, es könnte alles ziemlich cool werden, auch ohne den Inhalt groß zu verändern.

Ob der Weg der Glaubenskommunikation im Social Web aber überhaupt ein adäquater ist, kann allerdings nicht alleine auf der Ebene der Sozialwissenschaft verhandelt werden, sondern die Frage ist theologisch zu beantworten.

Comments

Submitted by spoxx (not verified) on 29. July 2012 - 14:04.

"Ob der Weg der Glaubenskommunikation im Social Web aber überhaupt ein adäquater ist, kann allerdings nicht alleine auf der Ebene der Sozialwissenschaft verhandelt werden, sondern die Frage ist theologisch zu beantworten."

Die Frage wird wohl sein, wie das institutionelle Gefüge der Kirche "Glaubenskommunikation" versteht:
Als Kommunikation einer Werbebotschaft an die Kirchenuser -
oder als Kommunikation von Menschen untereinander über ihren (Un-Glauben).
Würde sie Letzteres wollen, würde das "Kirche" verändern - und ob sie sich das wird trauen wollen??

Submitted by spoxx (not verified) on 29. July 2012 - 14:07.

ähm... - (Un-)Glauben ;-)

Submitted by andrea on 29. July 2012 - 14:30.

Danke für die Rückmeldung! Wenn wir glauben, dass die christliche Botschaft für alle Menschen ist ("Heilsuniversalismus") und nicht nur für die wo es gerade kulturell passt, dann ist wohl der zweite skizzierte Weg der angemessene. Das spezifische am Social Web ist wohl, dass es kein One-Way-Medium ist, sondern das Medium als solches bedingt einen Dialog.
.... Aber das alles kommt dann in den nächsten Abschnitten, die es tlw. auch schon gibt, die aber noch nicht so weit sind, dass ich sie herzeigen kann.

Submitted by spoxx (not verified) on 29. July 2012 - 15:03.

Sehr spannend! Du bist da wirklich an einem Punkt tätig, wo du ungeahnt Neues entstehen siehst und mit zum Vorschein bringen hilfst! Ich persönlich bin zuversichtlich, dass die Prozesse von Dialog und Kommunikation an sich schon einen Impuls von "Wahrheit" freisetzen, von Veränderung... - schliesslich ist Kommunikation fliessend, wie Wasser, das selbst einen Felsen formen kann ;-)

Submitted by Matthias (not verified) on 29. July 2012 - 17:22.

Hallo Andrea, ein paar Anmerkungen.

Grundsätzlich sind das sehr interessante Thesen, die sich mit vielem decken, was ich vermute, aber nicht so wissenschaftlich untersucht habe ;)

Ad 1) Das wundert mich nicht. Einzige Frage wäre, wer hier mit »Kirche« gemeint ist in den Untersuchungen. Christliche Angebote im Netz gibt’s ja auch abseits des kirchlichen »Mainstreams«. Es macht natürlich absolut Sinn, die offiziellen Angebote der Kirche mal zu untersuchen. Wahrscheinlich schreibst du aber an anderer Stelle mehr in deiner Arbeit.

Ad 2) Diesen Absatz finde ich noch etwas ungenau. Wenn die postmodernen Millieus die kirchlichen Angebote vermehrt nutzen, und sei es auch nur weil ihre Internetnutzung stark gestiegen ist und es nicht am religiösen Interesse liegt, dann frage ich mich: welches Interesse haben sie dann? Wenn sie sich nur zufällig auf solchen Seiten verlaufen, dann zählt das ja wohl nicht. Ist es Neugier? - Auch den Schlusssatz mit den Jugendlichen habe ich nicht ganz verstanden. Mein Eindruck bei dieser These war, dass du da ein paar Gedanken, die du im Kopf hast, nicht hingeschrieben hast.

Ad 3) Völlige Zustimmung, schön und klar formuliert.

Ad 4) Schönes Beispiel von dem Medienmenschen und Atheisten. Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass Kirchendistanzierte, aber zugleich -interessierte und mit ihrem klaren Blick manchmal sehr weiterhelfen können.
Im letzten Satz hängt alles am Verständnis von »adäquat«...
Ich würde sagen, dass im interdisziplinären Dialog zwischen Theologie und Kommunikationswissenschaft die Chancen und Risiken der Kommunikation von Glauben(sinhalten) im Netz zu diskutieren sind. Ob das geht, steht für mich außer Frage, das wie steht zur Debatte.

Viel Erfolg weiterhin, ein wirklich spannendes Thema!

Submitted by andrea on 29. July 2012 - 17:50.

@spoxx: Jetzt habe ich mir spontan gedacht, ich sollte wegen solcher Kommentare einen Like-Button in mein Blog einbauen. Danke!
Und ja, ich bin auch zuversichtlich, denn wenn ich in meinem Kommunikationsalltag im Social Web nicht viele positive Erfahrungen machen würde, würde ich mich auf solche Fragen wohl gar nicht einlassen.

Submitted by andrea on 29. July 2012 - 18:01.

@Matthias: Vielen Dank für den Kommentar. Hilft mir total weiter.
(1) Ja, die Frage, was "die Kirche" ist, ist ein Knackpunkt in meiner Arbeit. Ich werde das in der Folge dann nicht simpel dabei belassen von instituationellen Vertreter_innen auszugehen, sondern - was theologisch ja viel angemessener ist - mit dem Begriff "Volk Gottes" deutlich machen, dass alle Getauften Kirche sind. Damit lassen sich dann auch (christliche) Kommunikationsräume, die ohne institutionelle Gebundenheit im Social Web entstehen entsprechend fassen.
(2) Stimmt, das ist so nicht ganz verständlich. Das mit den Jugendlichen meint einfach, dass auch junge Leute z.B. mit traditionellem oder bürgerlichen Lebensstil im Social Web unterwegs sind (was Konsequenzen für die Jugendpastoral hat, in der Erwachsenenpastoral schlage ich in der Folge dann eh Differenzierungsschritte vor). Postmoderne interessieren sich für alles mögliche, sie nennen aber Religion nicht als Thema für ein Internetangebot, dass sie interesieren würde. Dort, wo aber Religion im Kontext auftaucht, bspw. wenn es um Fairen Handel geht oder wo Beziehung (eines der Grundmomente des Social Web) vorhanden ist, da entstehen Gelegenheitsstrukturen auch für explizite religiöse Kommunikation.
(4) Stimmt das ist ein bisserl komisch formuliert, da werde ich noch sprachlich dran feilen. Das mit dem interdisziplinären Dialog gefällt mir - ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich da nicht zu viel versprechen würde, weil ich mich zwar mit einigen Versatzstücken aus der Kommunikationswissenschaft ganz gut auskenne, aber doch Theologin bin. Letztes Jahr auf der #pw20-Tagung ist mir das stark bewusst geworden, weil ich allen theologischen Vorträgen problemlos folgen konnte, mir aber manchmal einfach kommunikationswissenschaftliche Basics gefehlt haben.

Submitted by Karlheinz (not verified) on 29. July 2012 - 18:25.

Zuerst zu einer Frage von Matthias, nämlich nach dem Interesse, auf religiöse Websites zu gehen: Meine Erfahrung als pfarrlicher Mitarbeiter (das ist aber nur ein bestimmter Ausschnitt der Wahrnehmung) ist, dass Menschen immer wieder organisatorische Informationen auf kirchlichen Websites suchen: Erstkommunion- oder Firmanmeldung und solche Dinge. Aus einer Pfarrhomepage einen Abklatsch des Pfarrblattes zu machen ist meist wenig zielführend.
Jugendliche sind hier insofern anders, weil Organisatorisches noch weitgehend von den Eltern übernommen werden. Sie wären auf solche Angebote ansprechbar, die ihrer Nutzung entsprechen (Wie wärs zB mit einem Spiel auf FB?).
Pfarrhomepages, aber auch Diözesanhomepages sind zumeist völlig am klassischen Kirchenbesucher ausgerichtet und möchten mit ihren Aufmachungen die Kirchenfernstehenden gar nicht ansprechen (oder schaffen es nicht). Vielleicht ist die Kärntner Diözesanhomepage hier anders - bzw. versucht bewusst anders zu sein.
- Das soll mal nur so eine Sicht aus dem Alltag sein.

Ich sehe ein Grundproblem heutiger Verkündigung in der Vorstellung der "institutionell gebundenen" Verkündigung: Diese Formulierung ist missverständlich und ich möchte das kurz erklären: Mit "institutionell gebunden" meine ich nicht, dass es Hauptamtliche gibt, die dafür angestellt sind. Sondern dass man die Vorstellung hat, dass Ziel der Verkündigung sein muss, dass der Außenstehende sich institutionell (an die katholische Kirche) bindet und der, der schon Mitglied ist, sich noch mehr an den institutionellen Vorgaben orientiert. Verkündigung ist daher zumeist Verkündigung mit dem Inhalt Kirche, statt mit dem Inhalt Frohbotschaft/Jesus Christus. Verkündigung will Menschen für einen "Verein" anwerben, zielt aber mE zu wenig auf das Heil des einzelnen Menschen. Baumer als Atheist stellt genau das in den Mittelpunkt und das ist mir sehr sympathisch.
Und das setzt sich im Internet fort: Man stellt dar, was wir/Kirche/Pfarre machen und schaut her wie gut wir das alles machen - statt auch auf den kleinen Pfarrhomepages die Glaubensinhalt Jesus Christus in den Mittelpunkt zu stellen.

Mir ist klar: Wenn man das Heil der Menschen in der Gebundenheit an der katholischen Kirche sieht, wie es die Kirche lange verstanden hat, dann hat mein Statement keinen Sinn, aber seit dem II Vaticanum sollte mit dieser Vorstellung Schluss sein. Und so würde ich sagen, dass - egal auf welche Art - das christliche Heilsangebot in den Mittelpunkt zu rücken ist.

Submitted by andrea on 29. July 2012 - 20:02.

@Karl-Heinz: Freut mich, hier von Dir zu lesen! Ich glaube wir sehen die Dinge eh ziemlich ähnlich. Mein Eindruck ist, dass die Frage Kirche und Social Web ganz stark mit dem Kirchenbild zusammenhängt, dass jemand hat. Wenn ich es konsequent in der Logik des II. Vatikanisches Konzils denke, dann ist es klar, dass es um die Menschen geht und ihr gutes Leben und nicht ums Anwerben für irgendwelche Angebote einer Institution. Dann ist es klar, dass alle Kirche sind und nicht nur jene, die am Sonntag einen Gottesdienst mitfeiern. Und es ist klar, dass im Mittelpunkt das Evangeliums und Jesus Christus steht. Alle, die das anderes sehen, neigen - mein Eindruck - dazu, dass Social Web als neuen One-Way-Sendekanal, wo halt heutzutage Videos gefragt sind - misszuverstehen. Ich glaube, wer sich in ein Dialogmedium begibt, muss das mit dem Dialog wirklich ernst meinen.

Du schreibst sehr viel von Pfarrhomepages. Da bin ich grundsätzlich deiner Meinung, dass da schon viel gewonnen wäre, wenn jede Pfarrgemeinde eine ästhetisch ansprechende Homepage hätte, wo gut und übersichtlich die Hardfacts zu finden sind, am besten auch noch so strukturiert, dass z.B. jemand der umzieht und dort neu ist auch was findet. Und wer ein Kind taufen lassen will, sollte halt auch Infos finden. Und die Infos zum Begräbnis sollten sich nicht hinter einem kryptischen Begriff wie "Sakramentalien" verbergen (neuerdings gesehen, echt wahr).

Aber insgesamt würde ich, wenns um Digital Natives, postmoderne Milieus, geht, die Pfarrgemeinden überhaupt nicht als primäre Foren sehen, wo Kommunikationsräume eröffnet werden können. Die meisten Pfarrgemeinden sind so stark von den kirchlichen Kernmilieus geprägt, dass es da regelrecht "Ekelgrenzen" (Bourdieu) für Digital Natives gibt (und nicht nur, wenns ums Internet geht). Für mich ist das, um was es da geht, viel eher eine neue Form kategorialer Pastoral, die anders tickt und was anderes leisten kann als die Pfarrseelsorge. Falls es in einer Pfarrgemeinde jemand gibt, der_die Lust auf sowas hat, dann haben solche Leute dann eh sehr schnell einen Blog, twittern oder kommunizieren aktiv auf Facebook. Als Teil davon möchte ich auch das verstehen, was getaufte Christ_innen im Social Web tun ohne dass dann im gleich explizit von Religion die Rede ist. Da gehts mir um die theologische Dignität des Alltags.

Aja, und die Institution, also so Leute in Kommunikationsbüros ;-) oder auch in Pastoralämtern: Da würde ich sagen, dass angesichts des Social Web eine gewisse Bescheidenheit angebracht ist: Da kann man_frau supporten, vernetzen und unterstützen, ja vielleicht mal ein cooles Projekt umsetzen (warum nicht ein Facebook-Spiel?), aber eigentlich geht um Kommunikation in Beziehung - und die findet dezentral statt.

Submitted by Matthias (not verified) on 30. July 2012 - 6:46.

Ein paar Gedanken fielen mir noch ein.

Zur Interdisziplinarität: ich glaube nicht, dass mann/frau in verschiedenen Disziplinen fit sein muss, um interdisziplinär zu arbeiten und vor allem zu denken. Ich habe grade meine Dissertation fertig und ziehe als Theologe sehr bewusst und gezielt Erkenntnisse anderer Wissenschaften heran. Ja, es gibt manchmal dann auch Kommunikationsprobleme, wenn mann/frau die spezifischen Konnotationen nicht kennt, das ging mir vor allem mit Ökonomen so. Meine Einstellung ist aber diese: ich bin bereit zum interdisziplinären Dialog, bin interessiert und versuche meine Disziplin auch möglichst so zu formulieren, dass »fachfremde« Menschen sie verstehen können. Diese grundsätzliche Offenheit ist heute für gelingendes wissenschaftliches Arbeiten aus meiner Sicht unverzichtbar, leider haben das viele noch nicht begriffen, nicht unter den Theolog/inn/en.

Zur Kirche (These 1): da war ich jetzt überrascht, dass du eine so offene Formulierung gebrauchst für deine Untersuchung. Erwartet hatte ich, dass du sagst: ich beschränke mich in meiner Arbeit auf Angebote der verfassten Kirche. Theologisch ist Kirche natürlich viel mehr, aber für eine Untersuchung muss es doch abgegrenzt werden, weil das doch sonst unendlich wird, oder? Vielleicht habe ich dich aber auch falsch verstanden..? - Das Problem, was ich hier sehe, mache ich an meiner Website fest. Ich bin evangelischer Pfarrer, als solcher predige ich regelmäßig im Auftrag der Kirche. Diese Predigten stelle ich auf meiner Seite ins Netz. Das ist keine kirchliche Seite im Sinne der verfassten Kirche, hat aber eine Verbindung zu ihr. Auf der anderen Seite entsteht aber durch die Offenheit des Kommunkationsraums auch Seelsorge über die Grenzen der Kirche hinaus und das ist gut und richtig so, Mission eben. Aber auch durchaus kritische Geschichten, wenn sich Menschen aus anderen Gemeinden ratsuchend an mich wenden: Hilfe, mein Pfarrer will mich nicht taufen, was kann ich tun...? - Dieses Problem habe ich schon mal mit Ralf Peter Reimann im Blick auf unsere Blogs angefangen zu diskutieren: Beide sind wir Pfarrer, beide äußern wir uns auch zu kirchlichen Themen, auch zu Social Netzwerkarbeit im kirchlichen Rahmen, aber wir sind uns einig, dass dies keine Angebote »der« Kirche ist. Anders sieht es aus für die Facebook-Seite der EKiR oder die Website, die ich für meine Kirchengemeinde verantworte.
Ich glaube, dass in diesem »Zwischenraum«, in dem du ja auch dich bewegst, sehr viel spannendes passiert. Schreibt ja auch Karlheinz, dem ich auch im Blick auf Pfarrhomepages zustimme. Aber das alles in einer Untersuchung unter dem Kirchenbegriff aufgreifen? Ich würde für mich offener formulieren und unterscheiden zwischen Angeboten der verfassten Kirche und ihrer Ebenen und Angeboten im kirchlichen Raum. Vielleicht gehe ich da aber auch zu evangelisch ran, und grade im Kirchenverständnis gibt’s da ja schon Unterschiede, ohne dass ich Experte in kath. Theologie wäre... ;)

Und zum Thema Jugend: Mit Konfirmand(inn)en arbeite ich so, dass ich ganz selbstverständlich im »Unterricht« Internet usw. verwende. Youtube ist da eine Fundgrube. Ich mache das oft im Sinn eines offenen Suchprozesses, zB: »Wir schauen mal, was wir auf YT zum Thema XY finden.« Meine Erfahrung ist dann die, wenn die Jugendlichen merken, dass das kein »Trick« ist, sondern dass ich mit der Technik vertraut bin und auch die gefunden Dinge spontan bewerte, dann sind sie auch schon mal bereit, selbständig weiter zu suchen. Es läuft über die persönliche Integrität. Ich bin daher skeptisch, ob spezifische Angebote für Jugendliche auf FB oder wo auch immer wirklich »was bringen«. Aber das ist nur meine sehr subjektive Wahrnehmung.

Submitted by andrea on 30. July 2012 - 9:47.

Ich habe gute Gründe, die Untersuchung nicht darauf zu beschränken, was Kirche in ihrer hauptamtlichen Struktur tut. Beschränken tue ich mich aber auf die Digital Natives (und nicht Digital Immigrants!).
- Social Media ist immer Human2Human und nicht Institution2Human. Selbst auf FB-Pages von Institutionen wollen die Leute wissen, welche Gesichter da dahinter stecken, auf Twitter gilt sowas erst recht.
- Die Sinusstudien machen deutlich, dass Postmoderne als Hauptamtliche in der Kirche dünn gesät sind. Überrascht ja auch nicht wirklich. Wenn ich nun ernst nehme, dass Kommunikation am besten dort klappt, wo es eine Milieupassung gibt, dann haben wir ein Problem.
- Social Media ist vor allem eine Button-Up-Bewegung (zeigt z.B. die Studie Trocholepczy, Bernd, Pelzer, Jürgen, Heeg, Dietmar, Kirchliche Sinnangebote im Web 2.0, Franktfurt/Main 2009 sehr deutlich). Das schafft vielfältige Anknüpfungsmöglichkeiten.
- Und: ich glaube wirklich, dass die Fokussierung auf die Institution theologisch einfach nicht angemessen ist und davon ablenken könnte, wahrzunehmen, was da schon längst passiert. Zwei Beispiele: selbstorganisierte Plattformen zum Austausch von trauernden Angehörigen, FB-Gruppen von Jugendgruppen mit kirchlichem Kontext - aber die "offizielle" Pfarrgemeinde kriegt das gar nicht mal mit. Genau das möchte ich versuchen, da den Blick drauf zu lenken.
Aber was stimmt: so ein Verständis macht es nicht einfacher ;-)
Danke für die Ermutigung in Richtung Interdisziplinarität!

Submitted by fkaineder (not verified) on 30. July 2012 - 9:49.

Ja, Andrea, das ist beeindruckend. Sehr oft habe ich schon gehört, dass die Schätze, die wir mit Bibel und Räumen haben, nicht gehoben sind. Es ist sehr schwer, aus den alten und haptischen Milieus zu entkommen. Sie verschlingen auch viel Geld, das dann nicht vorhanden ist, in neue Gegenden aufzubrechen.

Submitted by Rolf (not verified) on 30. July 2012 - 13:08.

Hallo Andrea,

>>mit dem Begriff "Volk Gottes" deutlich machen, dass alle Getauften Kirche sind.<<

ja, wichtiger Ansatz. ...oder vielleicht noch besser: Alle Menschen, die sich Gott in gewisser Weise zuwenden? Denn gerade christliche Internetseiten sind ja häufig die erste Kontaktfläche für die Menschen, die die ersten Schritte auf den Glauben/die Kirche/Gott zugehen.

Oder?

LG,
Rolf

Submitted by andrea on 30. July 2012 - 15:12.

Der Vorschlag den theologischen Zugang mit der Volk Gottes Theologie zu wählen, ist von meiner Betreuerin. Möglichkeiten gäbe es da ja genug, für irgendwas muss ich mich da in der Arbeit entscheiden. Ich finde das aber wirklich eine gute Überlegung, weil sich damit sehr gut ein Perspektivenwechsel zeigen lässt (im Fall der katholischen Theologie dann aufgehängt am II. Vatikanischen Konzil): Es geht auch ohne irgendwelche Vorbedingungen. Gott wendet sich allen Menschen zu. Auch dann, wenn sich die - was ich ja mit dem sozialwissenschaftlichen Teil sehr deutlich mache - gar nicht für Religion und Kirche interessieren.
Ein bisserl geht das dann in die Richtung, wie es der @fkaineder anspricht: Aufbrechen in neue Gegenden.
Will aber nicht heissen, dass deine Perspektive nicht auch eine interessante Fragerichtung ist. Es ist nur nicht die von mir in dem Fall gewählte.

Submitted by Rolf (not verified) on 30. July 2012 - 15:39.

Klar, du kannst nicht alles erschlagen (heb's dir einfach für die Doktorarbeit auf ;-)

Submitted by Karlheinz (not verified) on 31. July 2012 - 7:01.

Zwei Dinge sind mir noch eingefallen:
1. Wenn wir in der Kirche von Kommunikation sprechen, so haben zumeist - auch ich tappe immer wieder in diese Falle - dahinter eine Ein-Weg-Kommunikation im Hinterkopf: Wir sagen, was wir denken und die anderen hören/lesen das. Oder: Wir stellen uns dar und die anderen sehen diese Darstellung.
Dem Wesen des Christentums entspricht aber der Dialog, d.h. das Zurückreden, -schreiben, das Wiederdarstellen. Ein echter Dialog kann aber nur dort geschehen, wo sich die Gesprächspartner auf einander so einlassen, dass die Möglichkeit der Veränderung besteht. Folglich müsste sich der Dialogpartner Kirche - oder wie wir diese Seite auch immer benennen wollen - auf Veränderung einlassen.
Das Problem dabei: Die Ecclesia semper reformanda ist sehr veränderungsresistent.
2. Kirchliche/christliche Kommunikation fällt ja unter den Grundauftrag Martyria, welche zumeist als Verkündigung übersetzt wird. Mit diesem Wort bin ich aber schon wieder in der Ein-Weg-Kommunikation. Aber es tritt noch ein anderes Manko auf: im Netz handelt es sich (zumindest derzeit noch) hauptsächlich sprachliche Verkündigung in Form von Texten, Bilder und Videos. (Vl. kommen bald Videochats mehr in Mode.)
Hier sehe ich 2 Aspekte:
a. Diese Kommunikationsformen spiegeln unsere alltägliche Kommunikation wider. Es würde aber die Chance geboten werden, neue Kommunikationsstrukturen aufzubauen - zB graphische Kommunikation durch Darstellung von Verbindungslinien und Entwicklung von Gedankennetzwerken.
b. Trotz all der neuen Möglichkeiten sehe ich aber Martyria im Sinne des Zeugnisgebens und das meint, im Sinn des Lebenszeugnisses, das als einen Aspekt neben anderen die sprachliche Verkündigung enthält. Daher frage ich mich: Sollte eine Kommunikation über Neue Medien nicht letztlich auch darauf abzielen, dem Gesprächpartner (neue) Zugänge zu Lebenszeugnissen zu ermöglichen, die er nur außerhalb der Neuen Medien erleben kann?

Submitted by andrea on 31. July 2012 - 9:14.

Bei (1) bin ich ganz deiner Meinung. Echter Dialog heisst auch, dass die Institution ihren Habitus verändern muss.
(2) Ich bin im Zuge meiner Vorarbeiten drauf gekommen, dass die klassischen Grundauftrags-Kategorien nicht sehr gut geeignet sind für das Thema und arbeite damit nicht. Ich will damit nicht sagen, dass die komplett absolut sind, aber sie zielen so sehr auf die klassische Org. Form der Pfarre und Gruppe ab, dass das in Richtung postmoderner Lebensstile komplett neu zu denken wäre.
(a)Mein Eindruck ist, dass das, was du an neuen Kommunikationsformen meinst, schon da ist, z.b. bilden ja die meisten Social Media Dienste die sozialen Netzwerke der Leute ab, ich sehe z.b. auf Xing oder Facebook mit dem meine Kontakte dort befreundet sind. Da passiert was.
Sonst: ich sag nur Stichwort Iconic Turn. Es wird viel, viel visueller, Text ist nicht mehr das primäre Medium. Pinterest ist nur noch Bild und funktioniert blendend.
(b) Auch, ja. Aber warum denkst du das Netz so getrennt vom sonstigen Leben? Es gibt kein "außerhalb". Wir, die Netzkinder sind online, wir gehen nicht online. Paul Wuthe hat diesen Aspekt neuerdings schön formuliert Seht, wie und was sie miteinander kommunizieren"

Submitted by Karlheinz (not verified) on 31. July 2012 - 9:58.

Ich wollte gar nicht im klassischen Schema der Grundaufträge denken, sondern folgende Sachprobleme ansprechen:
1. Ein-Weg-Kommunikation - da sind wir ja einer Meinung
2. Kommunikation wird letztlich immer noch im Sender-Empfänger-Modell via Medien gedacht - auch bei den Social Media, denn einer pinnt, der andere liest/schaut. Der teilt das, damit macht er es zu seinem eingenen Pin und wieder andere lesen/schauen.
Ich wage die These, dass selbst die Netzwerke in diesem Schema denken und entworfen werden, auch wenn wir uns dahinter in Netz von Beziehungen denken können. Dabei geht es um Beziehungen von Menschen.
Ich denke aber an eine Kartographie des Wissens - Beziehung von Wissensinhalten, nicht von Personen. Ein Beispiel: Ich lese zB gerade ein Buch über Paulus. Ein Buch ist ganz auf Ein-Weg-Kommunikation und auf Linearität aufgebaut. So kommt es, dass immer wieder dieselben Bibelzitate kommen, deren Inhalt je nach Thema unterschiedliche eingebaut werden. Wie wäre es aber, wenn man zB das Bibelzitat nicht immer wiederholt, sondern es auf einer Wissenslandkarte darstellen kann (wie auf einer üblichen Landkarte ein Burg). Von da aus gehen dann Wege zu allen möglichen Themen über Paulus. Das kann ich mir nun aber auch dreidimensional denken.
Der nächste Schritt könnte sein, nicht bei Paulus und der Bibel zu bleiben, sondern gleichlautende Begriffe/Sätze/Themen mit ganz anderem zu verknüpfen. Es gäbe unendliche viele Verkünpfungsmöglichkeiten und wäre sogar konsequent postmodern.
Und dann kann ich mir vorstellen, als 4. Dimension noch die Zeit hinzuzufügen: Ein Paulusbrief zu seiner Zeit und zu unserer Zeit und zu Luthers Zeit zB.
Wenn dabei der/die Urheber des Netzes/der Verknüpfungen unwichtig werden, dann bin ich vollkommen aus dem Sender-Empfänger-Modell ausgestiegen. Aber unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen ist das scheinbar unmöglich, denn - um es kurz zu sagen - die Plagiatsdiskussion der letzten Jahre oder auch die Diskussion um die Entstehung eines Artikels bei Wikipedia zeigen, dass wir geradezu genötigt werden, Wissen zu subjektivieren, d.h. an ein Subjekt zu binden. Wer würde es wagen, heute eine wissenschaftliche Arbeit anonym zu veröffentlichen?
3. Diese Subjektivierung hat aber etwas für sich. Denn in all dieser Postmoderne bedarf es auch einer letztgültigen rationalen Rechtfertigung letztgültigen Wissens, dass die christliche Religion darstellt und das nur über eine erstphilosophische Refelxion auf das Subjekt geschehen kann. An dieser Stelle bin ich Anhänger einer erstphilosophischen Theologie.
Daher meine ich auch, dass wir ohne den Zeugen als Lebenszeugen die christliche Religion nicht adäquat vermitteln können. Und ich gebe zu, dass es unbeholfen ist, von innen und außen zu sprechen. Was ich meinte: In dem Social Media erlebt niemand, wie ich meine Kinder erziehe, wie ich meine Frau behandle, wie ich mit anderen Menschen umgehe, dass ich nicht Auto fahre usw. Das kann ich zwar im Netz abbilden, dieses Abbilden kann aber immer auch bloße Inszenierung sein. D.h. woher weiß der Betrachter, dass die Selbstdarstellung auch dem entspricht, wie man diese Person sehen würde, wenn man sie persönlich erlebt.
Es ist immer noch unvollkommen ausgedrückt, aber ich hoffe, es wird klarer, was ich meine.

Submitted by andrea on 1. August 2012 - 12:59.

Mir fällt dazu ein, dass das ja alles eine Spezifik des Hypertextes ist. Damit ändern sich natürlich auch Rezeptionsgewohnheiten. Allerdings bin ich mir mit der Bindung an die Autor_innen nicht so sicher, Remix-Kulturen zeigen das Gegenteil: Ich finde was, was ich inspirierend finde und entwickle es weiter, neues entsteht so. Vermutlich gibt es beide Tendenzen, Remix von Fundstücken und gleichzeitig eine vermehrte Wichtigkeit von Personen, weil das Social Web ja sehr stark über die Beziehungen untereinander getrieben ist.
Wie sich die Wahrheit der christlichen Religion heute plausibilisieren lässt, ist sicherlich eine zentrale Frage. Da kenne ich mich aber nur sehr bedingt aus. Grundsätzlich kann ich mit dem von Habermas eingebrachten Gedanken, dass Wahrheit in Kommunikation entsteht viel abgewinnen und das passt ja auch irgendwie zum Kommunikationsmedium Internet. Ich glaube aber jedenfalls wie Du, dass dabei glaub-würdige Zeugnisse von konkreten Menschen, die fähig sind an die Lebenswelt von Digital Natives, anzuknüpfen, eine wichtige Rolle spielen. Nur würde ich das Identitätsmanagement online nicht so kritisch bewerten, ja klar, das ist ein Ausschnitt, aber das trifft eigentlich auf jede Situation zu und nicht nur die Online-Kommunikation. Ich bewege mich ständig in gewissen Rollen, trage je nach Situation gewisse Klamotten, ... Nachzufragen ist aber sicherlich, wie weit gewisse Kommunikationsumgegebungen gewisse Dinge befördern und andere in den Hintergrund drängen. Eingabefelder, die in einem sozialen Netzwerk vorgegeben sind, schaffen "standardisierte Identitäten" (Begriff Jan Schmidt, glaube ich) - allerdings lässt sich auch zeigen, dass gerade Digital Natives damit sehr kreativ umzugehen wissen und eine gewisse Hacking-Metalität entwickeln. Zudem ist das Social Web ja nicht nur eine so vorformatierte Umgebung wie es soziale Netzwerke sind, Blogs sind da bspw. viel, viel offener. Vielleicht eine Konsequenz: nie nur Facebook - sondern besonderes auch selbstkontrollierte Umgebungen im Internet verwenden.
Was das für religiöse Identität alles heisst, würde ich als noch weitgehend unerforscht bezeichnen - dass aber jedenfalls das Social Web dabei eine wichtige Rolle spielt, ist aber kaum zu bestreiten.

Submitted by Das II. Vatikanisches Konzil und das Social Web (Ausschnitt (not verified) on 2. August 2012 - 19:34.

[...] meines Blogs, Freude, wenn ich vorab noch unfertige Teile meiner Diplomarbeit hier veröffentliche (wie hier). Ich profitiere selbst sehr von den kompetenten und anregenden Rückmeldungen. Insofern probiere [...]

Submitted by Matthias (not verified) on 3. August 2012 - 7:07.

"Zudem ist das Social Web ja nicht nur eine so vorformatierte Umgebung wie es soziale Netzwerke sind, Blogs sind da bspw. viel, viel offener. Vielleicht eine Konsequenz: nie nur Facebook - sondern besonderes auch selbstkontrollierte Umgebungen im Internet verwenden."

Letztendlich ist jede Kommunikation irgendwie vorformartiert... Mann/frau muss isch das nur klar machen. Auchg wenn ich sonntags vor der Gemeinde stehe als Pfarrer, ist die Kommunikation vorformartiert, auch wenn ich ein Seelsorge-Gespräch führe, ist es vorformartiert. Meine Erfahrung ist, dass sich viele Menschen das überhaupt nicht bewusst machen, sondern das, was für sie vertraut und "normal" ist für die "richtige Kommunikation halten. Das glit für den/die klassiche Gottesdienstbesucher/in genauso wie für die DN auf Facebook.

Und deswegen gebe ich dir völlig recht, dass es wichtig ist, verschiedene Kommunikationswege nnebeneinander und zugleich miteinander zu nutzen. Nicht nur, weil die Vorformartierungen jeweils verschieden sind, sondern auch, um die Vorerwartungen zu "verwirren". Dann kann nämlich etwas passieren. Etwas von meinen Erahrungen habe ich "früher" mal hier aufgeschrieben: http://www.matthias-jung.de/Historie.html
Und wo ich das noch mal überflogen habe, merke ich, dass es vielleicht lohnt, da mal einen Blogtext zu verfassen, weil das nur sehr knapp formuliert ist. Denn die Verschränkung unterschiedlicher Themenfelder in EINER Website hat für mich zu spannenden, anregenden ud anrührenden Erfahrungen geführt und ich sehe grade, dass dies hier ncht so raus kommt. Deswegen gibts inzwischen auch das Blog von mir ;)
Mal gucken.

(Den Text über Vaticanum II lese ich später. Interessante Diskussion hier!)

Submitted by andrea on 3. August 2012 - 9:21.

Stimmt, Matthias, das mit den vorformatierten Umgebungen war etwas flapsig dahingesagt. Jede Kommunikation ist vorformatiert. Was ich aber wirklich beobachte ist, das das je nach Umgebung sehr anders ist. Vielleicht ist der kreative Umgang mit den Vorformatierungen gerade auch ein wichtiger Teil der Medienkompetenz. Danke für die Erinnerung!
Ich beobachte auch ähnliches wie Du, dass es sehr spannend ist, dass sich bei mir hier im Blog, aber durchaus genauso in meinem Facebook-Profil oder auf Twitter meine verschiedenen Themen mixen. Oftmals stehen da ganz unterschiedliche Themen auf den ersten Blick unverbunden nebeneinander, aber im Prozess bin das dann halt dann einfach ich. Da gibt es immer wieder Überraschungen :-) Ob das heutzutage unbedingt auf einer Website sein muss, weiss ich nicht so recht, es ist ja eh alles untereinander verlinkt und ich nehme halt je nach konkretem Thema und Bezugsgruppe unterschiedliche Dienste in Anspruch. Was ich aber merkwürdig finde, ist, wenn Leute anfangen, vermeintlich "private" und "berufliche" Dinge völlig auseinander zu dividieren und so tun als ob das nicht miteinander zu tun hätte. Ich werde auf Kirche 2.0 nicht mein Mittagessen und meine privaten Urlaubsfotos posten (da würde ich dann wohl völlig aus der beruflichen Rolle kippen), aber ich habe auch nicht dagegen, dass dort erkennbar ist, wer dahinter steht und mich z.B. jemand über mein privates Facebook-Profil kontaktiert - und vice versa. Das passiert auch ständig. Interessant finde ich es dabei darüber nachzudenken, was das für das Verhältnis Religion und Öffentlichkeit bedeutet.

Submitted by Matthias (not verified) on 3. August 2012 - 9:39.
Submitted by Kommunikationschancen der Kirche mit Digital Natives &amp;la (not verified) on 13. August 2012 - 11:16.

[...] Zusammenfassend werden hier einige zentrale Zusammenhänge aus den vorgehenden Darstellungen in Form von vier Thesen beleuchtet.>mehr. [...]

Submitted by theolounge.de (not verified) on 13. August 2012 - 11:18.

ich habe den Artikel mal verlinkt auf theolounge.de.

Schöne Grüße aus München...

Submitted by andrea on 13. August 2012 - 22:42.

Danke fürs Verlinken!

Submitted by Religion bei Netizens: Bist Du dagegen oder dagegen? &amp;la (not verified) on 14. August 2012 - 7:42.

[...] 14.8.2012: Diesen Linktipp verdanke ich @knuuut:  Kommunikationschancen der Kirche mit Digital-Natives) 51.247150 6.776230 Share this:E-MailDruckenTwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste [...]

Submitted by Religion bei Netizens: Bist Du dagegen oder dagegen? &amp;la (not verified) on 14. August 2012 - 7:42.

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