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Gut gemeint? Zusatzförderung für freie Lizenzen der Stadt Linz bei Kulturprojekten

Schon eine Weile fördert die Stadt Linz Kunstprojekte, deren digitale Produkte unter einer freien Lizenz veröffentlich werden, mit einer Zusatzförderung von 10%. Eine gute Sache, würde ich ansich mal sagen, und das passt auch hervorragend ins Bild der Open Commons Region Linz. Severin Mayr, Gemeinderat der Grünen, hat nun mittels einer Anfrage im Gemeinderat nachgefragt, wie denn diese Initaitive so genutzt werden. Das Ergebnis ist ernüchternd:

Das Positive zuerst: Alle Anträge auf Sonderförderung wurden genehmigt. Die Einschränkung: Es gab bislang laut Anfragebeantwortung erst 8 Ansuchen (2009: 2; 2010: 0;2011: 6). Insgesamt wurden seit 2009 ganze 660 Euro an zusätzlicher Förderung für unter eine Freien Lizenz veröffentlichte Kunst- und Kulturprojekte ausgeschüttet.

Severin hat sicher recht, dass es Sinn machen würde, wenn die Stadt diese Möglichkeit aktiver bewirbt. Ich leiste da ja jetzt auch gleich noch einen Betrag dazu, indem ich darüber blogge ;-) Zusätzlich glaube ich aber, dass diese Zusatzförderung auch seitens der Kulturpolitik und -verwaltung noch nicht wirklich durchdacht ist.

Das derzeit geltende Urheberrecht macht es manchen KünstlerInnen einfach gar nicht möglich diese Förderung zu nutzen, weil sie vertraglich exklusiv z.B. an die AKM gebunden sind und daraus auch für sie relevante Einnahmen generieren. Da geht es dann - so wie ich das als Nicht-Juristin verstehe - gar nicht, ein einzelnes Werk unter eine CC-Lizenz zu stellen. Alles oder gar nichts ist die Devise. Dieser Umstand ist aber zugegebenermassen von der Stadt Linz kurzfristig nicht zu ändern, die Creative Commons Initiative zeigt, dass da durchaus auch auf politischer Ebene darüber nachgedacht wird, ob das Urheberrecht heute noch zeitgemäß ist oder eher ein Relikt aus dem vorherigen Jahrhundert. Sinnvoll wäre es meines Erachtens hier stärker in den Service- und Beratungssbereich zu investieren. Im Dschungel des Urheberrechts brauchen Kulturschaffende Unterstützung, um herauszufinden, was für sie persönlich unter den gegebenen Umständen Sinn macht. Derzeit wüsste ich nicht, wo ich da in Linz mit Fragen hingehe, außer vielleicht zur KUPF, die aber ja eigentlich für die Kulturvereine und nicht EinzelkünstlerInnen zuständig ist. Das müßte ja auch nicht unbedingt die Stadt selbst machen, sondern gerade die KUPF zeigt, dass auch für so praktische Dinge selbstorganisierte Zusammenhänge am besten funktionieren - dann, wenn sie dafür auch entsprechende öffentliche Förderungen bekommen und so etwas auch professionell leisten können.

Der zweite Aspekt, wo die Kulturverantwortlichen Handlungsbedarf hätten, liegt sehr wohl im eigenen Bereich der Stadt. In den Informationen zur Förderung ist zwar angeführt, welche Medien davon profitieren könnten, doch ist mir völlig unklar wie die kontextbezogene Einbindung in künstlerisch-kulturelle Projekte oder auch die Jahrestätigkeit von Kulturvereinen ausschaut. Ein guter Teil kreativer, digitaler Produkte entsteht in Prozessen, beispielsweise wird in Workshops gemeinsam produziert oder die Dokumentation eines Kunstprojekts erfolgt mittels unterschiedlicher Medien. Wie schaut das dann aus? Was wird dann gefördert? Der ganze Projektprozess oder nur bspw. die unter CC-Lizenz erscheinende Publikation? Wie läuft dann das Förderverfahren? So lange das nicht wirklich klar geklärt und kommuniziert ist, werden mache sich wohl denken, das lohnt sowieso nicht, denn dass Kulturförderungen der Stadt sowieso immer eher gering ausfallen (Ausnahmen bestätigen die Regel!), ist bekannt.

Und was ist eigentlich mit servus.at, jener Initiative, die seit Jahren selbst konsequent auf freie Software setzt und aktiv die Produktion freien Contents in der Kultur-Szene unterstützt? Wenn ich nicht den Buchstaben der Förderrichtlinie folge, sondern der eigentlichen verkündeten Intention, freie kreative Inhalte mehr zu unterstützen, müßte die Stadt gerade da mehr investieren. Die Förderungen der Stadt für servus.at sind aber mehr schlecht als recht, seit Jahren.

Handlungsbedarf! Definitiv Handlungsbedarf, würde ich sagen. Sonst schreibe ich bei nächster Gelegenheit keinen Blogbeitrag mehr über eine ansich gute Sache, sondern über eine Alibiaktion, die noch dazu billig hergeht mit € 660.- in drei Jahren. Bleibt nur noch die Frage, wer das hier überhaupt liest ;-)

Foto CC BY-SA Flickr Kalexanderson

Comments

Submitted by Severin Mayr (not verified) on 15. September 2011 - 18:04.

Um auf deinen letzten Satz Bezug zu nehmen: Ich habs gelesen. ;-)
Sehr spannendes Posting, sind ein paar wichtige Anregungen dabei. Bei manchem tut sich die Stadt in der Umsetzung natürlich schwer (zB bei verschiedenen rechtlichen Fragen), andere Punkte sollten aber meiner Ansicht nach unbedingt in eine Weiterentwicklung des Sonderförderprogramms aufgenommen werden (dauerhafte Förderungen, etc.). Dass das Angebot durchaus auch eine breitere Öffentlichkeit verdient hätte, stimmt absolut. Also danke auch dafür, dass du dich an der Bewerbung beteiligst. ;-)

Submitted by andrea on 15. September 2011 - 22:09.

Danke Dir für die nette Rückmeldung und überhaupt fürs Rausfinden der Fakten im Gemeinderat. Ich schon sehr fein, wenn sich da jemand auf dieser Ebene um solche Themen kümmert! Auf Facebook habe ich ja gerade festgestellt, dass das - leider - kein Mainstream-Thema ist und mache nicht mal mit dem Kürzel CC was anfangen können. Tja. Da ist noch viel zu tun, denn letztlich steckt da ein zukunftsweisender Ansatz dahinter.

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