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Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt

Heute habe ich angesichts des Marienfeiertags auf Facebook wieder mal ein paar polemische Kommentare zum Thema Erbsünde gelesen. Ja, dieser Begriff ist heute mehr als missverständlich. Viel zu lange wurde Sünde vor allem als sexuelle Verfehlung missverstanden - und in diesem Kontext wäre aufeinmal unser bloßes Geborensein, dass ja einen Sexualakt der Eltern voraussetzt, eine Sünde. Was für eine negative Sicht des Menschseins, wenn das so reduziert wird!

Dem möchte ich eine andere Sicht der Rede von Erbsünde entgegenhalten. Diese halte ich für durchaus beachtenswert:

Unter Erbsünde verstehe ich auch, dass wir in eine Welt geboren sind, die nicht perfekt ist. Im Gegenteil: Wir leben in "ererbten" Strukturen der Ungerechtigkeit und es ist selbst bei bestem Willen nicht immer möglich nicht zu strukturellen Mittäterin zu werden. Mit jeder Autofahrt, mit jedem Billigeinkauf, ja, mit jeder versäumten Protestaktion mache ich mit mitschuldig am Leid in dieser Welt.

Irgendwie finde ich, dass dieses bekannte Video der Ärzte zum Thema passt: "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt"

Comments

Submitted by F. M. (not verified) on 8. December 2013 - 18:56.

Unter Erbsünde verstehe ich auch, dass wir in eine Welt geboren sind, die nicht perfekt ist.

Das heisst, dass nicht wir Menschen erbsündig sind, sondern die Welt? Das ist ja noch komlizierter, als alle anderen Fehl-Konstruktionen um die Erbsünde.

Wie wäre es mit einem mutigen Schlag, wie ihn Alexander der Grosse angesichts des Gordischen Knoten gewagt hat?

Wozu brauchen wir die Erbsünde eigentlich noch? Sie war doch ganz klar eingestzt worden, um den Menschen ihre Sündhaftigkeit ab Geburt vorzuhalten. Ist das heute wirklich noch notwendig? Sapere aude!

Submitted by andrea on 9. December 2013 - 11:19.

Ich glaube auch, dass der Begriff ausserhalb des theologischen Diskures problematisch ist. Das habe ich oben ja auch angedeutet. Er ist jedenfalls ungeeignet für eine populäre Debatte, weil da so viel mitschwingt, was heute theologisch wohl überholt ist.

Der Gedanke dahinter, dass wir in Strukturen der Ungerechtigkeit leben, dass möchte ich nicht aufgeben. Und ja: das sind wir von Geburt an, Heidegger spricht von Geworfenheit.

Submitted by Antonymus (not verified) on 25. December 2013 - 20:01.

>>Der Gedanke dahinter, dass wir in Strukturen der Ungerechtigkeit leben,<<

Ist das wirklich so? Wie kann eine Gläubige solch eine These aufstellen?

>>dass möchte ich nicht aufgeben<<

Schade. Aber warum?

Submitted by Antonymus (not verified) on 25. December 2013 - 20:05.

P.S. und offtopic: Ich glaube Drupal braucht ein Update. Die Tabellen müssen repariert werden. Aktuell ist das System unsicher. Anhand der Fehlermeldungen kann man allerhand Software und Hosting Interna herauslesen. Das ist nicht gut.
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