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Das Social Web zitieren

Ich bin grade in der Endfertigung meiner Diplomarbeit. Dabei geht es natürlich auch um die Korrektheit des wissenschaftlichen Apparats. Ich habe themenbedingt - ich schreibe ja über Kirche und Social Media - überdurchschnittlich viele Internetquellen.

Heute habe ich auf Facebook mit einigen Leuten über Varianten des Zitieren diskutiert. Hier möchte ich nun Teile der Diskussion und meine eigenen Erkenntnisse im Diplomarbeitsprozess zusammenfassend wiedergeben.

Zentral scheint es mir generell zu sein, sich immer die Funktionsweise einer Social Web Anwendung genau vor Augen zu führen und daraus zu schlussfolgern, wie so etwas so zitiert werden kann, dass es bestmöglich intersubjektiv überprüfbar ist. Das ist ja der Sinn der Sache des wissenschaftlichen Zitierens.

Datumsangabe

Dass bei Internetquellen eine Datumangabe unumgänglich ist, weil die Inhalte sich ja ändern können, dürfte sich wohl mittlerweile eingebürgert haben. Ich löse das so, dass ich am Anfang des Literaturverzeichnisses einen Hinweis anbringe, wann ich die Links zum letzten Mal geprüft habe. Es hat sich herausgestellt, dass die Datumsangabe bei jedem einzelnen Verweis das ganze nur unübersichtlich macht - jedenfalls dann, wenn es wie bei mir viele Angaben sind.

Herausgeberin

Ich führe, soweit das irgendwie möglich ist, eine Herausgeberin der Internetseite an. Danke für den Tipp, Christian Schröder - das macht auch das alphabetische Sortieren einfacher. Herausgeberin ist im Normalfall jene Person oder Organisation, die im Impressum steht. Gibt es sowas nicht, dann versuche ich anhand des Inhalts und der Funktionsweise des Webangebots zu ermitteln, wer für den Inhalt verantwortlich ist. Das ist dann bspw. die Inhalteerstellerin einer App, die via iTunes verfügbar ist und nicht die Firma Apple. Christian Schröder hat bei diesem Beispiel angemerkt, dass da Apple ja eher mit einem Verlag zu vergleichen ist.
Bei einer Facebook-Page (oder auch anderen Seiten) gibt es, wie Bernhard Wehres bemerkt hat - zu bedenken, dass nicht immer die Herausgeberin, die draufsteht, auch wirklich dahinter stecken muss, da ja jede_r eine solche Seite anlegen kann und nicht immer alles "offiziell" ist, was auf den ersten Blick so ausschaut. Bezüglich Facebook gibt Ralf Peter Reimann auch noch zu überlegen, dass bei persönlichen Profilseiten die intersubjektive Überprüfbarkeit nur beschränkt gegeben ist, da diese ja zumeist nur dem Kreis der direkten Kontakte einer Person zugänglich sind. Hier wäre dann eher so zu zitieren wie bei einem Gespräch. Hilfreich ist es jedenfalls da mal im nicht-eingeloggten Zustand zu schauen, was wirklich sichtbar ist.

Einheitliches Format

Ja, das braucht es. Oft ist es notwendig bei Social Web Anwendungen etwas zu spezifizieren. Ich mache das so:

Herausgeberin (Hg.), Titel (Anmerkung wie z.B. Facebook-Page, iTunes, ...). Online verfügbar: ...

Da ist aber wohl jede andere Variante denkbar. Mit diesem Format komme ich aber zu einer gewissen Einheitlichkeit der Literaturverweise.

Tagesaktuelle Informationen

Manche Anwendungen fragen ja tagesaktuelle Informationen ab - so beispielsweise der Social Media Radar Nutzer_innenzahlen von Facebook und Twitter, jeweils direkt über die API der Dienste oder eigene Algorithmen. Hier gebe ich das Abfragedatum extra mit an, sonst macht das ja keinen Sinn. Auf solche oder ähnliche Dienste zu verweisen scheint mir aber grundsätzlich sehr sinnvoll, weil ich damit ganz aktuelle Daten liefern kann, was bspw. mit jeder Printpublikation nicht immer gegeben ist.

Wikis

Wikis haben den grossen Vorteil, dass die Entstehungsgeschichte eines kollaborativ produzierten Textes im Web verfügbar ist. Axel Maireder erklärt, dass das durchaus, klug angewandt, auch ein Qualitätskriterium für wissenschaftlich zitierte Texte sein kann. Ich gebe in diesem Fall das Datum und die Uhrzeit der letzen Änderung und den_die User_in an, die es geändert hat.

Tweets

Gaby Filzmoser hat mich auf einen Beitrag in den Science Blogs von Ali Arbia verwiesen, der über das Zitieren von Tweets Auskunft gibt. Hier finde ich amüsant, dass da die Fußnote dann um einiges länger ist als der zitierte Tweet.

In Düsseldorf gibt es übrigens ein Forschungsprojekt zu diesem hier diskutierten Thema. Das habe ich mir auch gedacht, dass das eigentlich eine eigene Arbeit wert ist so etwas zu überlegen. Trotzdem brauche ich jetzt mal ganz pragmatisch eine Strategie für die Fertigstellung meiner Diplomarbeit ;-)

Foto: Flickr CC by-nc-nd AufmDach

Comments

Submitted by gumpelmaier (not verified) on 31. October 2012 - 23:39.

Danke dafür! Schön zu lesen, dass deine Diplomarbeit bald fertig ist :-)

Submitted by andrea on 1. November 2012 - 0:38.

Danke Dir. Ich hoffe, es ist wirklich so ;-)

Submitted by Gaby Filzmoser (not verified) on 1. November 2012 - 9:16.

Danke, Andrea! Da hast du eine wichtige, brauchbare Zusammenfassung geschrieben. Hast du auch ein praktisches Beispiel für deinen Vorschlag? Ich frag mich, was du mit Titel meinst?

Submitted by andrea on 1. November 2012 - 10:05.

Danke! Mit Titel meine ich die Überschrift, wie das Ding heisst oder so. Also wie der Titel eines Artikels oder eines Buches.

Ein Beispiel:
Vernetze Kirche (Hg.), Gottesdienstfinder (iTunes). Online verfügbar: http://itunes.apple.com/de/app/gottesdienstfinder/id406942316?mt=8.

Aber das bringt mich jetzt aber auf die Idee, dass es durchaus interessant sein könnte, beim Titel zu schauen, was da wirklich als < title > im HTML-Code angegeben ist, vor allem bei Sonderfällen.

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