Apr
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Österreich braucht vieles. Was Österreich aber nicht braucht ist Euratom.

Heute war ich nicht nur gegen die Stadtwache unterschreiben am Bürgerservice, sondern habe die Gelegenheit beim Schopf gepackt und auch gleich für die Einleitung des Euratom-Volksbegehrens unterschrieben. Da ich der Meinung bin, dass Österreich wirklich keinen Cent für europäische Atomindustrie ausgeben sollte, finde ich es gut, dass auf diesem Weg versucht wird, das zum öffentlichen Thema zu machen. Das mag ich unterschreiben, auch wissend, dass so manche Volksbegehren trotz breiter Unterstützung versumpert sind. Aber wie heisst es so schön: Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.

Comments

Submitted by Karl-Friedrich (not verified) on 26. April 2010 - 23:16.

Bei der Euratom ist es wie bei der katholischen Kirche, wer nicht dabei ist, kann nicht mitreden. Frag mich des öfteren, wie sich Atomkraftgegner vorstellen, dass die europäische Stromversorgung ohne Nuklearenergie funktionieren soll. Windkraft und Solar sind doch nur Tropfen auf durch Flachbildfernseher, Lifestyle-Gadgets und Heimserver immer heißer werdende Steine. Aber es ist natürlich sehr bequem, ohne Regierungsverantwortung den Ist-Stand zu kritisieren. Bin schon gespannt, wann in D der Ausstieg aus der Atomkraft fällt. Nur eine Frage der Zeit.

Submitted by Gabi Schweiger, Mütter gegen Atomgefahr/atomstopp_ooe (not verified) on 27. April 2010 - 9:22.

nun, herr karl-friedrich: wenn es in orndung geht, dass für Flachbildfernseher, Lifestyle-Gadgets und Heimserver dieser generation strahlender müll für die nächsten generationen angesammelt werden soll - für dessen sichere lagerung auch nach jahrzehnten der hochsubventionierten forschung außer ein paar abenteuerlicher ansätze genau garkeine lösung zur verfügung steht, wenn es für sie passt, dass dort wo uran abgebaut wird irreversible verwüstung und großflächige verstrahlung der meist bitterarmen, inidigenen bevölkerung angerichtet wird, dann mögen sie schon "recht" haben.

vor allem auch, wenn es sie nicht stört, dass die akw-betreiber zwar die gewinne einstreifen alle externen kosten wie forschung, lagerung des abgebrannten brennstoffes... aber von der öffentlichkeit getragen werden. dann haben sie sicher auch verständnis dafür, dass die gewinne der konzerne -aktuell: 1-1,5 mio Euro - pro akw in deutschland und zwar pro tag!- in steuerfreien rücklagen für die dekomissionierung der atommeiler angelegt werden dürfen. und sie werden sich wohl nicht daran stoßen, dass die krebsanfälligkeit der menschen mit der nähe des wohnortes zu akws signifikant steigt - und das besonders bei kleinkindern...!

dass eine havarie ganze landstriche unnutzbar machen würde und die bevölkerungsdichte in europa eine weit problematischere situation ergeben würde, als vor 24 jahren im relativ schwach besiedelten umkreis von tschernobyl, das werden sie vermutlich als panikmache abtun, nehme ich an, und als zu hohes risiko für die menschheit nicht gelten lassen, weil statistisch vernachlässig bar usw. und dann noch die sache mit dem waffenfähigen material: "die" passen doch sicher ganz genau auf, dass da nix in falsche staaten gelangt, in böse staaten, weil "die" sind ja unendlich vertrauenswürdig, oder?

falls dies alles doch nicht ganz so ist empfehle ich ihnen, nicht alles zu glauben, was die leitmedien uns vorkauen, im auftrag der atomlobby...

und zu ihrem ansatz von wegen dabeisein, um mitreden zu können lade ich sie gern ein, sich die tatsächlichen möglichkeiten des mitreden-könnens bei euratom für einzelne staaten in der union mal genauer anzuschaun! http://www.raus-aus-euratom.at/ja_aber.php?active=mitreden

Submitted by andrea on 27. April 2010 - 16:38.

Nachdem Gabi als Expertin da schon so differenziert geantwortetet hat (danke!), bleibt mir nur noch mich da 1:1 anzuschließen. Klar gehts auch um eine Veränderung unseres Konsumverhaltens - doch zu meinen, dass es nicht schon jetzt gute und v.a. sichere Alternativen zum Atomstrom gibt, ist mir nicht nachvollziehbar.

Submitted by Karl-Friedrich (not verified) on 28. April 2010 - 0:14.

Fakt ist das der Strombedarf steigt stetig. Energie sparen ist im Consumer-Elekronikbereich für den Kunden nur wenig relevant. Hier zählen Design & Features. Diese Entwicklung wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern und auch der Chinesische Wanderarbeiter will irgendwann seinen Anteil vom Entertainment-Paradies. Deshalb wird nicht nur in Europa ein Atomausstieg nie ein Thema sein. Windkraft und Solarenergie sind nicht in der Lage Stromspitzen abzudecken. Atomkraft ist wieder auf dem Vormarsch. Es will ja jeder sauberen Strom und kein Kohlekraftwerk um die Ecke. Und CO2 schonend sollte es dann auch noch sein. Es stinkt hier nach Doppelmoral.
Und gern werden von den Atomstromgegner seitenweise Argumente angegeben, deren Stichhaltigkeit für den Laien nicht überprüfbar ist, aber kaum Lösungsvorschläge.
Und warum soll Österreich auf die einmalige Gelegenheit verzichten, bei einem wegweisenden Forschungsprojekt wie dem ITER-Reaktor mitzuarbeiten? Ich betrachte die 40Mio als eine Forschungsförderung, genauso wie die Mitgliedschaft beim CERN. Die 40Mio sind eine gut investierte Summe. Ich hoffe, dass sich diesmal, in dieser wichtigen Frage, unsere Politiker ausnahmsweise nicht vom Populismus vereinnahmen lassen.

Submitted by Gabi Schweiger, Mütter gegen Atomgefahr/atomstopp_ooe (not verified) on 28. April 2010 - 15:36.

herr karl-friedrich! den stetig steigenden strombedarf als faktum zu akzeptieren ist legitim, aber schon auch ein bisserl ambitionslos, resignativ. wär´s als forschungsorientierter mensch, der sie offensichtlich sind, nicht anspruchsvoller, im bereich der energie-einsparungspotentiale bzw der energieeffizienz anzutreten? vor allem im gegensatz zu wissenschaftlichen dauer-gespinnsten: wenn sie schon ausgerechnet ITER ansprechen, sollten sie auch eingestehen, dass die grundlage der idee, also die kernfusion, seit anfang der sechziger jahre des letzten jahrhunderts zwar bestens dotiert, aber immer noch erfolglos im eventual-bereich grundelt. seit damals lautet die prognose: in 50 jahren wird es möglich sein, mit dieser technologie unendlich viel energie zu gewinnen -> auch heute - 2010 - ist die prognose keine andere :) ein treppenwitz in der disziplin der forschenden wissenschaft? >>"in 5o jahren" ist wohl das definitive synonym für "ICH werd das nicht mehr erleben..." zur finanzierung muss noch gesagt werden: seit 2008 ist klar, dass der geplante kostenrahmen für ITER drastisch explodieren wird, seit heuer wissen wir, wie arg: 150% mehr förderung aus europäischen steuergeldern werden gesucht... auch österreich wir kräftig nachzahlen müssen. oder: wir steigen aus, RAUS aus EURATOM, sagen - als die ersten NEIN, nicht mit uns!

damit wären wir bei der doppelmoral: die orten wir vor allem bei EURATOM und der österreichischen rolle darin. atomsperrgestz in der verfassung, aber mitglied bei einer gemeinschaft sein, die sich als ziel gesetzt hat "alle voraussetzungen für eine mächtige atomindustrie in europa zu schaffen" geh´ bitte! EURATOM hat keinen platz für ANTIatompolitik, sondern nur für ATOMpolitik*! und trotzdem gebärden sich österreichische zuständigkeits-politiker wie die institutionalisierten zeigefinger gegen grenznahe atomanlagen, ein akw nach dem anderen, bis das nächste kommt... wie bizarr!

gern möchte ich auch noch aufgeklärt wissen, welche "seitenweisen argumente der atomgegner" in ihrer stichhaltigkeit weniger überprüfbar sind als die der atomlobby!?! kann das vielleicht mit voreingenommenheit erklärt werden? wind, -wasser, -solarenergie sowie biomasse haben potentiale, deren ausmaße durch wirtschaftliche - also getarnt politische entscheidungen! - über die subventionspolitik gebremst werden!

lggabi

Submitted by Karl-Friedrich (not verified) on 28. April 2010 - 23:43.

Energie sparen klingt fantastisch! Genauso fantastisch wie beispielsweise unser krisengeschütteltes Budget ausgabenseitig zu sanieren. Es wäre das allervernüftigste. Doch, um bei dem Beispiel zubleiben, zeichnet sich schon jetzt ab, dass das so leider nicht funktionieren wird. Um auf nennenswerte Beträge zu kommen, müsste bei liebgewordenen Annehmlichkeiten eingespart werden wie z B Hacklerregelung, die Stiftungsgesetzgebung oder großzügigen Agrarförderungen. Die Lobbyisten scharren schon in den Startlöchern. Das Geheule geht schon jetzt, ganz ohne konkrete Vorschläge los. Egel wer, ob Pensionisten, Gewerkschafter, Bauern oder Industrielle, keiner will sich übervorteilen lassen und so verlässt unseren, mit einem nicht sehr stabilen Rückgrad ausgestatten Politikern schon früh der Mut. Stattdessen werden uns, erst zeitverzögert in ein paar Jahren, wirklich schmerzhafte "Lösungen" des Problems wie mehr Inflation oder eine höhere Mehrwertsteuer blühen. Genauso wäre es, mit dem Energiesparen. Dies ließe sich nur mit einer Motivationshilfe wie höheren Steuern auf Strom und Treibstoffe bewerkstelligen. Wie man gerade am Einknicken der ÖVP sieht, ist das ein Unterfangen, das der karriereorientierte Politiker so schnell wie möglich wieder in einer Schublade verschwinden lässt. Auch die Grünen würden das, nach schlimmen Erfahrungen wie den 20 Schilling pro Liter Benzin, nicht mehr ernsthaft in Erwägung ziehen. Das Konzept Sparen wird also so nicht umsetzbar sein. Ganz im Gegenteil, wenn man aktuelle oder sich am Horizont abzeichnende Trends wie stromhungrige Smartphones, die jeden Tag aufgeladen werden wollen, oder die besonders von ökologisch denkenden Menschen heiß herbei gesehnten Elektroautos ansieht, wird der Energiebedarf auch weiterhin stetig steigen. Kein Problem für das wasserkraftverwöhnte Österreich, aber in Ländern wie Frankreich oder Deutschland fehlen Optionen, die da wirklich ins Gewicht fallen.

Submitted by Karl-Friedrich (not verified) on 28. April 2010 - 23:44.

Und genau deshalb sind visionäre Projekte angewandter Grundlagenforschung wie ITER so unglaublich wichtig. Und das obwohl das Risiko dabei ganz beträchtlich

ist. Es kann sein, dass das Experiment nicht die erhofften Ergebnisse liefert, es kann sogar sein das es vollkommen scheitert.Es kann aber auch sein, dass der neue Forschungsreaktor einen Weg zeigt, wie langfristig sauber und emissionslos die Energieversorgung der ganzen Welt sichergestellt werden kann. Eine Chance, die auf jeden Fall das Risiko wert ist. Egal ob das jetzt vielleicht erst in 10 Jahren in Betrieb geht und 12 Mrd EUR oder sogar 20 kostet. Damit lässt sich nicht mal ein aktueller Banken-Bailout finanzieren. Und nur wegen ein wenig moralischem Distinktionsgewinn soll sich Österreich die Teilnahme an so einem einmaligen Projekt entgehen lassen? God, no!

Submitted by Hugo Wolf (not verified) on 3. May 2010 - 13:18.

Alle kaufen das Billigste. Und das Billigste ist nicht das Beste für uns Menschen und für unsere Umwelt.

Alle Menschen sündigen zu leichtfertigt. Und das es dafür Konsequenzen für alle gibt, wollen sie nicht hören.

Es geht uns zu gut, sonst würden wir nicht so viel auf andere schimpfen und die Schuld bei der Kirche, bei den Arbeitern, bei den Banken, bei den Poltikern, bei den Linken, bei den Reichen suchen.

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