Social Media

Nov
19

Social Media in der Erwachsenenbildung

Am 18. November 2013 habe ich in Graz einen Workshop für das Frauennetzwerk in der Katholischen Erwachsenenbildung gestaltet. Unten sind meine Slides.

Zum Thema Social Media und Erwachsenenbildung stehen übrigens zwei eintägige Seminare an, die ich gemeinsam mit Gaby Filzmoser gestalten werde: am 18. Jänner in Linz und am 18. März in Innsbruck im Haus der Begegnung.


Nov
18

Trends in der Kommunikation

Am Freitag, 15. November 2013, war ich Vortragende auf einer Tagung für Führungskräfte und ÖffentlichkeitsarbeiterInnen der Diakonie Österreich. Es war ein intensiver und spannender Austausch "in ökumenischer Verbundenheit", wie hieß. Hier gibts für Interessierte meine Slides zum Nachlesen:


Sep
19

Freundschaft 2.0

Für die Zeitschrift "neue gespräche", herausgegeben von der AKP - Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e.V., habe ich einen Beitrag zum Thema Freundschaft geschrieben. Danke an Uli Berens für die redaktionelle Bearbeitung.

Freundschaft 2.0

„Ich habe 137 Freunde.“ Solche Aussagen lassen den Wert des Internets für die Pflege von Beziehungen fragwürdig erscheinen. Vier Klarstellungen und Überlegungen. Von Andrea Mayer-Edoloeyi

1. Freund_innenschaft im Internet: Das Thema ist in der öffentlichen Diskussion von vielen Missverständnissen geprägt. Ein beträchtlicher Teil davon beruht auf einem Übersetzungsproblem: Der Begriff friend im Englischen meint den weiteren Bekanntenkreis, der Begriff Freund_in im Deutschen bezeichnet dagegen traditionell einige wenige Menschen, mit denen ich engere, vertrautere Beziehungen pflege. Über Facebook bin ich wohl auch mit einigen engen Freund_innen verbunden, den Großteil dieser Beziehungen bilden aber Beziehungen zu friends - zu losen Bekannten.

Feb
20

Meine Diplomarbeit "Digital Natives und kirchliche Kommunikation" ist online

... und zwar hier im Blog auf einer eigenen Seite: http://andreame.at/diplomarbeit

Viel Vergnügen beim Schmöckern und Feedback wäre cool!

Dec
26

Literatur Kirche und Social Media

Da es noch eine Weile dauern wird bis meine ganze Diplomarbeit online kommt, gibt es hier für Leute, die eventuell auch am Thema arbeiten einen Auszug aus meinem Literaturverzeichnis. Es sind darin alle Einträge versammlt, die sich explizit aus theologischer oder religionswissenschaftlicher Perspektive auf das Thema Social Media bzw. das Internet beziehen.
Natürlich hat diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit; ich habe meine Literatur anhand meiner konkreten Fragestellung ausgewählt, aber es wurde Zeit, diese ziemlich chaotische gewordene Literaturliste hier im Blog durch etwas Übersichtlicheres zu ersetzen. Sollte ich je eine Dissertation oder ähnliches schreiben, suche ich mir eine professionelle Literatur- und Zitatenverwaltung. Die eigentliche Literaturliste der Diplomarbeit ist natürlich noch einiges länger.

Literatur Kirche und Social Media

Dec
26

"Was ist Ihre konkrete Aufgabe als Social Media-Managerin?“

Vom sinnstiftermag, einer ziemlich coolen Onlinezeitschrift an der Schnittstelle Pastoral und Marketing, wurde ich gefragt, was ich so als Social Media Managerin der Katholischen Kirche in Oberösterreich mache. Meine Antwort ist hier nachzulesen.

Oct
31

Das Social Web zitieren

Ich bin grade in der Endfertigung meiner Diplomarbeit. Dabei geht es natürlich auch um die Korrektheit des wissenschaftlichen Apparats. Ich habe themenbedingt - ich schreibe ja über Kirche und Social Media - überdurchschnittlich viele Internetquellen.

Heute habe ich auf Facebook mit einigen Leuten über Varianten des Zitieren diskutiert. Hier möchte ich nun Teile der Diskussion und meine eigenen Erkenntnisse im Diplomarbeitsprozess zusammenfassend wiedergeben.

Zentral scheint es mir generell zu sein, sich immer die Funktionsweise einer Social Web Anwendung genau vor Augen zu führen und daraus zu schlussfolgern, wie so etwas so zitiert werden kann, dass es bestmöglich intersubjektiv überprüfbar ist. Das ist ja der Sinn der Sache des wissenschaftlichen Zitierens.

Datumsangabe

Dass bei Internetquellen eine Datumangabe unumgänglich ist, weil die Inhalte sich ja ändern können, dürfte sich wohl mittlerweile eingebürgert haben. Ich löse das so, dass ich am Anfang des Literaturverzeichnisses einen Hinweis anbringe, wann ich die Links zum letzten Mal geprüft habe. Es hat sich herausgestellt, dass die Datumsangabe bei jedem einzelnen Verweis das ganze nur unübersichtlich macht - jedenfalls dann, wenn es wie bei mir viele Angaben sind.

Herausgeberin

Ich führe, soweit das irgendwie möglich ist, eine Herausgeberin der Internetseite an. Danke für den Tipp, Christian Schröder - das macht auch das alphabetische Sortieren einfacher. Herausgeberin ist im Normalfall jene Person oder Organisation, die im Impressum steht. Gibt es sowas nicht, dann versuche ich anhand des Inhalts und der Funktionsweise des Webangebots zu ermitteln, wer für den Inhalt verantwortlich ist. Das ist dann bspw. die Inhalteerstellerin einer App, die via iTunes verfügbar ist und nicht die Firma Apple. Christian Schröder hat bei diesem Beispiel angemerkt, dass da Apple ja eher mit einem Verlag zu vergleichen ist.
Bei einer Facebook-Page (oder auch anderen Seiten) gibt es, wie Bernhard Wehres bemerkt hat - zu bedenken, dass nicht immer die Herausgeberin, die draufsteht, auch wirklich dahinter stecken muss, da ja jede_r eine solche Seite anlegen kann und nicht immer alles "offiziell" ist, was auf den ersten Blick so ausschaut. Bezüglich Facebook gibt Ralf Peter Reimann auch noch zu überlegen, dass bei persönlichen Profilseiten die intersubjektive Überprüfbarkeit nur beschränkt gegeben ist, da diese ja zumeist nur dem Kreis der direkten Kontakte einer Person zugänglich sind. Hier wäre dann eher so zu zitieren wie bei einem Gespräch. Hilfreich ist es jedenfalls da mal im nicht-eingeloggten Zustand zu schauen, was wirklich sichtbar ist.

Einheitliches Format

Ja, das braucht es. Oft ist es notwendig bei Social Web Anwendungen etwas zu spezifizieren. Ich mache das so:

Herausgeberin (Hg.), Titel (Anmerkung wie z.B. Facebook-Page, iTunes, ...). Online verfügbar: ...

Da ist aber wohl jede andere Variante denkbar. Mit diesem Format komme ich aber zu einer gewissen Einheitlichkeit der Literaturverweise.

Tagesaktuelle Informationen

Manche Anwendungen fragen ja tagesaktuelle Informationen ab - so beispielsweise der Social Media Radar Nutzer_innenzahlen von Facebook und Twitter, jeweils direkt über die API der Dienste oder eigene Algorithmen. Hier gebe ich das Abfragedatum extra mit an, sonst macht das ja keinen Sinn. Auf solche oder ähnliche Dienste zu verweisen scheint mir aber grundsätzlich sehr sinnvoll, weil ich damit ganz aktuelle Daten liefern kann, was bspw. mit jeder Printpublikation nicht immer gegeben ist.

Wikis

Wikis haben den grossen Vorteil, dass die Entstehungsgeschichte eines kollaborativ produzierten Textes im Web verfügbar ist. Axel Maireder erklärt, dass das durchaus, klug angewandt, auch ein Qualitätskriterium für wissenschaftlich zitierte Texte sein kann. Ich gebe in diesem Fall das Datum und die Uhrzeit der letzen Änderung und den_die User_in an, die es geändert hat.

Tweets

Gaby Filzmoser hat mich auf einen Beitrag in den Science Blogs von Ali Arbia verwiesen, der über das Zitieren von Tweets Auskunft gibt. Hier finde ich amüsant, dass da die Fußnote dann um einiges länger ist als der zitierte Tweet.

In Düsseldorf gibt es übrigens ein Forschungsprojekt zu diesem hier diskutierten Thema. Das habe ich mir auch gedacht, dass das eigentlich eine eigene Arbeit wert ist so etwas zu überlegen. Trotzdem brauche ich jetzt mal ganz pragmatisch eine Strategie für die Fertigstellung meiner Diplomarbeit ;-)

Oct
28

Titel gesucht!

fragezeichenIch suche einen Titel für meine Diplomarbeit und freue mich grade über die vielen inspirierenden Rückmeldungen auf Facebook und Twitter. Hier nun ein Ausschnitt aus der abschließenden Zusammenfassung. Vielleicht mag das ja wer lesen und es hilft bei der Titelfindung. Sie ist fast fertig, es fehlen nur noch minimale Dinge und drum muss die Titelfrage nun endlich entschieden werden. Die abschließende Zusammenfassgung gehört aber wohl auch zu den Texten, wo ich noch ein bisserl was tun muss, merke ich grade ....


Im Zuge dieser Arbeit war ausgehend von einer Darstellung der wichtigsten kommunikationswissenschaftlichen Aspekte des Social Web Gelegenheit in die Lebenswelt der Digital Natives einzutauchen. Sie sind diejenigen, die nicht mehr „online gehen“, sondern fast beständig „online sind“, sie organisieren ihren Alltag im und mit Hilfe des Social Web, dass sich dadurch auszeichnet, dass sich die eindimensionalen „ein-Sender-viele-Empfänger“-Strukturen der traditionellen Massenmedien in Richtung Produsage und Dialog auf Augenhöhe weiterentwickelt haben. Das Beziehungs- Identitäts- und Informationsmanagement der Menschen findet zunehmend auch online statt, damit spiegeln sich zentrale Fragen des Menschseins in der Kommunikation im Social Web. Anhand des Vergleichs verschiedener Sinusstudien konnte gezeigt werden, dass Digital Natives einen postmodernen und multioptionalen Lebensstil pflegen. Sie sind Sinnsucher_innen, doch stösst die derzeitige Sozialgestalt der Kirche bei ihnen kaum auf Ressonanz. Ohne Social Web ist die Eröffnung eines positiven Kommunikationsraum der Kirche mit diesen Menschen kaum denkbar. Medien konstruieren Realität. Auch wenn mancherorts mit dem Social Web verbundene „Heilsversprechungen“ nicht zu begründen sind, ruft das Social Web tiefgreifende Fragen der Organisation des menschlichen Miteinanders und nach dem Sinn auf den Plan. Religion als das, was uns unbedingt angeht (Paul Tillich), ist im Social Web in aller Vielfalt und Widersprüchlichkeit, die heute in der Gesellschaft vorgefunden wird, Thema.
Das Social Web ist ein pastoral und theologisch bedeutsamer Ort, weil es ein Ort lebensbedeutsamer Kommunikation ist. Es wurden in dieser Arbeit relevante Elemente der Theologie des II. Vatikanisches Konzils und das Konzept der Pastoral der Passung skizziert und dabei gefragt, wie es gelingen kann, positive Kommunikationsräume mit Digital Natives zu eröffnen, wie Netzinkulturation Realität werden kann. Dieser Prozess ist in Ansätzen schon im Gange, das wird bei den vielen angesprochenen Beispielen deutlich. Dabei sind aber auch viele Ambivalenzen und offene Fragen deutlich geworden. Nicht zuletzt hängt es von der Lesart der Theologie des II. Vatikanischen Konzils ab wie mit Medien und näherhin dem Phänomen Social Web umgegangen wird. Medien- und Kirchenbild bedingen einander wechselseitig. Wer sich aktiv auf die usergenerierte Logik des Social Web einlässt findet in der Volk Gottes Theologie des II. Vatikanischen Konzil eine analoge theologische Entsprechung. Alle Menschen sind Subjekt und Objekt des Glaubens und der kirchlichen Kommunikation, Glaube ist etwas das immer wieder errungen werden muss.
Das vorgestellte Konzept der Pastoral der Passung eignet sich in hervorragender Weise für die Kommunikation mit Digital Natives, weil hier vorgeschlagen wird, sich in experimentieller Weise und lösungsorientiert auf die konkrete Lebenssituation von Menschen einzulassen und gemeinsame Lernschritte zu machen. Digital Natives könnten die Vielfalt der Gotteserfahrungen des Volk Gottes in hervorragender Weise bereichern. Diese grundsätzlichen pastoralen Überlegungen können in Form der Netzinkulturation konkreter gedacht werden, die das Produsage-Paradigma des Social Web stark macht. In wechselseitiger Inspiration von Digital Natives und christlicher Botschaft entsteht in kreativer Weise Neues.

Aug
2

Das II. Vatikanisches Konzil und das Social Web (Ausschnitt Diplomarbeit)

2vatOffenbar macht es den Leser_innen meines Blogs, Freude, wenn ich vorab noch unfertige Teile meiner Diplomarbeit hier veröffentliche (wie hier). Ich profitiere selbst sehr von den kompetenten und anregenden Rückmeldungen. Insofern probiere ich es wieder.
Diesmal geht es um einen Abschnitt zum Zusammenhang zwischen Medien- und Kirchenbild vor dem Hintergrund der Ekklesiologie des II. Vatikanischen Konzils. Meine These ist, dass das Social Web zumindest partiell ein Aufgreifen dieser Theologie befördert.
Da das Umwandeln in html-fähigen Text bei den Fussnoten etc. sehr tricky und aufwendig ist, habe ich diesmal ein PDF genommen und hochgeladen. Ich freue mich über Kommentare!

Das II. Vatikanisches Konzil und das Social Web

Ich ersuche hier ausnahmsweise darum, das Dokument nicht weiterzuleiten, sondern bei Interesse ggf. auf diesen Blogeintrag zu verweisen. Mein Gefühl ist, dass das noch nicht ganz fertig ist und ich würde dann schon gerne primär irgendwann die Endversion im Web finden. Danke!

Jul
29

Kommunikationschancen der Kirche mit Digital Natives (Ausschnitt Diplomarbeit)

Nachdem ich das letzte Mal als ich einen Ausschnitt meiner Diplomarbeit ins Netz gestellt habe (Der Begriff der Digital Natives) so gute Erfahrungen mit den anregenden Rückmeldungen gemacht habe, möchte ich das wieder tun. Dieser Abschnitt ist bezieht sich auf meine Schlussfolgerungen aus der Lektüre unterschiedlicher Untersuchungen, die alle mit den Sinusmodell arbeiten und die ich in den vorherigen Punkten detailiert dargestellt habe. Es ist vermutlich nur dann gut verständlich, wenn jemand dieses sozialwissenschaftliche Modell zumindest etwas kennt. Trotzdem möchte ich es probieren und freue mich über kritische Anmerkungen! Und ja: Es geht voran!

Foto: Flickr CC by re:publica 2012Foto: Flickr CC by re:publica 2012

Zusammenfassend werden hier einige zentrale Zusammenhänge aus den vorgehenden Darstellungen in Form von vier Thesen beleuchtet.

(1) Die Kirche hat, so die Ergebnisse der Sinusstudien, ein massives Kommunikationsproblem mit postmodernen Milieus, die Digital Natives sind. Internet und Social Web ist für sie ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags, es ist mit ihrer Identität, ihren Beziehungen und ihrem Informationsmanagement verwoben. Kirche wird von Menschen mit postmodernem Lebensstil als alt, verstaubt und reformresistent wahrgenommen. Im Alltag gibt es kaum Berührungspunkte, weil sie keinen Nutzen in den Angeboten der Kirche sehen. Der Vergleich verschiedener Untersuchungen zeigt: Je kirchendistanzierter jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er_sie Digital Native ist.

(2) Bemerkenswert ist, dass es offenbar postmoderne Milieus sind, die kirchliche Internetkommunikationsangebote sehr stark nachfragen, das macht der MDG-Trendmonitor deutlich. Das hat wenig mit ihrem religiösen Interesse zu tun. Vielmehr ist ihre intensive Internetnutzung dafür ausschlaggebend. „Internet-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, gehen am Internet-Publikum weitgehend vorbei“ (Meier, Klaus, Positionierung der katholischen Kirche im Internet, in: Communicatio Socialis 3/2006, 292) hat Klaus Meier schon 2006 formuliert. Da mittlerweile aufgrund steigender Internetnutzer_innen insgesamt mehr Menschen im Internet unterwegs sind, ist natürlich auch der Nutzer_innenkreis religiöser Angebote breiter geworden. Es darf davon ausgegangen werden, dass sich dieser Bereich insgesamt differenziert hat. Doch intensive Social Web-Nutzer_innen sind primär postmoderne Milieus. Insofern darf geschlussfolgert werden, dass Social Media-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, an der Dialoggruppe im Social Web weitgehend vorbeigehen. Die Ausnahme bilden dabei Jugendliche, denn diese kommunizieren alle - wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität - im Social Web.

(3) Gleichzeitig machen aber die Sinusstudien deutlich, dass es durchaus Chancen gäbe, einen positiven Kommunikationsraum mit diesen Milieus zu eröffnen, da sie mehrheitlich potentiell offen sind für Religion und noch mehr Glaube. Das Sinus-Institut nennt als grundlegende Veränderungstrendenzen unserer Gesellschaft drei Faktoren:

Modernisierung und Individualisierung: Öffnung des sozialen Raumes durch höhere Bildungsqualifikationen, steigende Mobilität und Kommunikation und dadurch erweiterte Entfaltungsspielräume und Wahlmöglichkeiten
Überforderung und Regression: Wachsende Überforderung und Verunsicherung durch den technologischen, soziokulturellen und ökonomischen Wandel, durch die Vielfalt der Möglichkeiten (Multioptionsparalyse) und die Entstandardisierung von Lebensläufen – mit der Folge von Orientierungslosigkeit und Sinnverlust, Suche nach Entlastung, Halt und Vergewisserung (Regrounding)
Entgrenzung und Segregation: Durch Globalisierung und Digitalisierung getriebenes Auseinanderdriften der Lebens- und Wertewelten, sozialhierarchische Differenzierung und wachsende soziale Deklassierungsprozesse, Erosion der Mitte, Entstehen einer kosmopolitischen Elite (One-World-Bewusstsein)

Es ist naheliegend, das Orientierungsangebote aus der christlichen Tradition in diesem Regrounding-Kontext auf Ressonanz stossen könnten. Die christliche Botschaft ist in der Lebenswelt der Postmodernen nicht irrelevant, das aktuell vorfindliche institutionelle Gefüge der Kirche verstellt aber in vielen Fällen die Möglichkeit einer positiven Kommunikation.

(4) Dass das Internet und das Social Web dabei eine erhebliche Rolle spielt, ist naheliegend. Manchmal finden sich sogar diesbezügliche explizite Appelle im Social Web. Expemplarisch sei hier der Blogger, Künstler und Medienjournalist Sebastian Baumer zitiert, der sich selbst als Atheist bezeichnet und schreibt:

Wäre ich die katholische Kirche, ich würde eine Webseite bauen lassen, auf der man die ganze Bibel lesen kann, schön übersichtlich gestaltet, mit einzelnen Kapiteln, Zusammenfassungen, Illustrationen und teuflisch schicker Typographie. Man könnte einzelne Textstellen markieren und twittern oder bei Facebook und sonstigen Social Networks posten. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, dann würde ich einmal im Jahr einen Wettbewerb ausrufen, bei dem zeitgenössische Schriftsteller meine besten Stories (Mose und das Meer, Die Apokalyse, Adam und Eva etc.pp.) neu schreiben und vortragen, ohne irgendwelche Vorgaben. Die Texte gäbe es im Bundle mit den zugehörigen Originalen für jedermann kostenlos als Print- und eBook-Version. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde alle meine abgefahren beeindruckenden Kirchen, Klöster und sonstigen Bauwerke weltweit in 3d photographieren und ne iOS-App bauen lassen, mit der man sie alle virtuell besichtigen kann. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde sofort mehrere Kampagnen starten, in denen ich den Leuten klar machen würde, dass in der Vergangenheit zwar einiges schief gelaufen ist, aber dass meine Kernbotschaft von Nächstenliebe und sich nicht wie ein Scheißasi benehmen eigentlich ziemlich zeitlos gut ist, egal, ob man an den alten Mann in Himmel glaubt oder nicht.
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde den Gottesdienst interaktiver und mit viel mehr Humor gestalten und würde jeden neu eingestellten Prediger dazu verpflichten, neben dem üblichen Beichtkram für die älteren Gläubigen einfach permanent für die Leute übers Netz erreichbar zu sein und bei Problemen aller Art zu helfen oder einfach nur zuzuhören.
Wäre ich die katholische Kirche, es könnte alles ziemlich cool werden, auch ohne den Inhalt groß zu verändern.

Ob der Weg der Glaubenskommunikation im Social Web aber überhaupt ein adäquater ist, kann allerdings nicht alleine auf der Ebene der Sozialwissenschaft verhandelt werden, sondern die Frage ist theologisch zu beantworten.