Medienpolitik

Jul
9

Papier hat keine Freundinnen

Heute hatte ich das Vergnügen für die Radio FRO Lehrredaktion einen Workshop Social Media zu gestalten. Das Doku-Blog dazu heisst Papier hat keine Freundinnen. Neben allerlei Praktischen rund um Social Media hatten wir auch Gelegenheit, zu diskutieren, wie sich das Verhältnis Freie Medien und user-generiertes Internet so gestaltet und gestalten wird. Ich habe mich in der Vorbereitung dazu "rough and dirty" in einigen Thesen versucht, die ich hier gerne nochmal zu Diskussion stellen möchte.

Freie Medien und Journalismus 2.0 - einige Thesen zur Debatte: 

  • Cross-Media-Publishing ist State of the Art.
  • Freie Radio Macher_innen waren sowieso schon immer darauf verwiesen, sich für die eigene Sendung eine Community aufzubauen. Warum das nicht im Internet weiterentwickeln?
  • Das user-generierte Internet ist jedenfalls eine Freundin des Freien Radios. Ob es eine Freundin des kommerziellen Radios ist, wird sich zeigen. Wird in 10 oder 20 Jahren überhaupt noch jemand vom Radio sprechen?
  • Tradierte Geschäftsmodelle der Mainstream-Medien geraten durch das user-generierte Internet und das Abwandern der Werbewirtschaft auf Plattformen wie Facebook oder Google unter Druck.
  • Freie Medien haben große Chancen, weil sie sowieso ein "alternatives Geschäftsmodell" haben, dass 1:1 mit dem user-generierten Internet zusammen passt. Crowdsourcing machen Freie Medien sowieso schon immer, Strukturen für das Crowdfunding müssen weiterentwickelt werden.
  • "Alternativer" Content wird wichtiger, weil das Internet mehr Nischen zulässt. "User-generiert" ist nicht gleich "alternativ". Cat-Content gibt es haufenweise. "Alternativ" ist vielleicht das, was in der Charta der Freien Radios steht.
  • Guten Journalist_innen mit Ambitionen kann das user-generierte Internet dabei helfen, eine Online-Reputation aufzubauen, die sich (vielleicht!) auch in künftige Jobs umsetzen lässt. Diese Jobs werden aber völlig anders aussehen als im 20. Jahrhundert.

Was meinst Du dazu?

May
27

Netzneutralität?

Der Erfolg des Internet beruht auf der Gleichheit aller Datenpakete. Neuere Überlegungen orientiert - an der kommerziellen Verwertung - könnten das in Frage stellen. Nach der Zwei-Klassen-Medizin nun auch das Zwei-Klassen-Internet?

Frage am Rande ;-) Ist irgendwer in den Kirchen schon auf die Idee gekommen, dass das alles eine entscheidende Frage sozialer Gerechtigkeit von morgen sein könnte?

Apr
16

Sei dabei bei der Demo gegen Vorratsdatenspeicherung - bevor es zu spät ist!

Kein konkreter Verdacht, kein richterlicher Beschluß, kein Gar-Nichts. Das ist die Grundlage für die Vorratsdatenspeicherung. Telekommunikations-Verkehrsdaten aller Bürger_innen sollen aufgezeichnet werden, Ende April soll diese EU-Richlinie im österreichischen Nationalrat beschlossen werden. Betroffen sind alle aufgerufenen IP-Adressen, alle E-Mail-Empfänger_innen, alle angerufenen Telefonnummern und alle Mobilfunk-Standortdaten. Das zeigt für mich auch wieder einmal, dass die EU nicht der Hort der Grund- und Menschenrechte ist, sondern da krankt es offensichtlich am Verständnis, was Achtung der Privatsphöre bedeutet, bedeuten würde. Und die österreichische Politik ist offenbar mehrheitlich unfähig sich dagegen zu stellen.

Die Einführung der Vorratsdatenspeicherung ist eine Umkehrung der Unschuldsvermutung. Grundsätzlich wird jeder Bürger überwacht und seine Daten werden aufgezeichnet, egal ob dieser eines Verbrechen schuldig ist oder nicht. Aufgrund bisheriger eingeführter Überwachungsmaßnahmen (Handyortung mit dem Sicherheitspolizeigesetz) und Erfahrungen in anderen Staaten, muss davon ausgegangen werden, dass diese Technologie unweigerlich zu Missbrauch führen wird.
Auch das Argument, es würden ja keine Inhaltsdaten gespeichert, kann nicht zählen. Aus den sozialen Kontakten und dem Bewegungsprofil kann ein sehr exaktes Personenprofil erstellt werden.

Darum wird am 21. April demonstriert in Linz und in Graz. Ich bin in Linz dabei und lade herzlich ein, es mir gleich zu tun, denn sonst ergeht es uns bald wie dem Frosch im heißen Wasser:

Jun
25

Internet für alle! PANGEA in St. Georgen

PANGEA zieht für die nächste Woche um nach St. Georgen im Attergau, dorthin, wo es nicht nur Einheimische und Tourist_innen gibt, sondern auch die Erstaufnahmestelle für Asylwerber_innen. Es gibt freien Internetzugang für alle, Workshops, Diskussionsrunden und natürlich eine Abschlussparty. Idee ist, dass die Medienaktivitäten verbindend wirken - und die Hoffnung ist, dass vielleicht etwas übrig bleibt vom Miteinander ...

Uns allen, die wir so gerne jeden Tag vor unseren Rechnern sitzen, uns online vernetzen und über allerlei Wichtiges, aber auch Belangsloses kommunizieren, ist wohl kaum bewusst, dass das nicht für alle möglich sind. Ich rede hier jetzt nicht von Menschen, die aus welchen Gründen auch immer einfach kein Email, Web oder gar Social Media wollen, sondern von Menschen, die strukturell ausgeschlossen werden.
Asylwerber_innen gehören zu diesen Menschen. In St. Georgen im Attergau gibt es keine Möglichkeit für kostenlosen Internetzugang. Außer nächste Woche, da schon. Wie es in Traiskirchen ausschaut weiss ich nicht, aber ich vermute es ist ähnlich trist.

Jun
22

Allerherzlichste Gratulation zum Sendestart von Dorf TV

Im Dorf trifft man_frau sich. Das passt auch zum heutigen Abend, ich war auf der Eröffnung von Dorf TV, dem ersten usergenerierten Fernsehen in Oberösterreich und habe Massen, echt Massen, an Bekannten und Freund_innen getroffen. Es gab ja auch was zum Feiern: Nicht jeden Tag geht ein neuer Fernsehsender an den Start, noch dazu so einer - einer, wo jede_r selbst Fernsehen machen kann. Der Dank gilt den Initiator_innen, allen vor Gabi Kepplinger, Georg Ritter und Otto Tremetzberger, ohne deren Kompetenz, aber auch Penetranz am Thema dran zu bleiben, wir heute nichts zum Feiern gehabt hätten.

May
16

Wanted: Soziale Verantwortung in der Medienlandschaft

Am 20. Mai habe ich das Vergnügen im Diskurscafé "Wanted: Soziale Verantwortung in der Medienlandschaft" mizudiskutieren. Einladen tut die Katholische Sozialakademie gemeinsam mit dem Renner-Institut. Ein grosses Thema. Ein sehr grosses Thema:

Gibt es in der Medienlandschaft Österreichs soziale Verantwortung? Und wenn ja, wo ist sie eigentlich zu finden? In Zeiten, in denen die größte Tageszeitung Österreichs politisch äußerst fragwürdige Kampagnen fährt, drängt sich immer mehr die Frage nach der Verantwortung der Medien auf. Was dürfen Zeitungen zum Thema machen, was müssen Zeitungen zum Thema machen?
Wie kann über Dinge berichtet werden, ohne ihnen gleichzeitig zu viel Raum zu geben und Werbung für Personen, Parteien, etc... zu machen?
Welche Rolle spielen die sogenannten "neuen Medien"?
Wie müssen wir "selbstgemachte" News à la Twitter bewerten?