Kulturpolitik

Apr
13

Bravo, FIFTITU%!

Eine tolle Aktion von FIFTITU% bei der Eröffnung des Musiktheaters gegen den männlichen Normalbetrieb, der bei solchen Prunkbauten besonders deutlich zu Tage tritt, ist im Video zu sehen. Aber schade, dass ich das in live verpasst habe. Hätte mich mehr interessiert als das Eröffnungsspektakel von dem ich als eine, die ganz in der Nähe wohnt, immer wieder beschallt werde. Man_frau stelle sich vor, dass würde die KAPU machen!?

Oct
17

Zwei Promille sind nicht genug!

Die Freie Kultur-Szene in Linz meldet sich mit einem Offenen Brief zu Wort und fordert - einmal mehr - bessere Rahmenbedingungen für die Kulturarbeit. 46 freie Kulturinitiativen und 42 Einzelpersonen, so auch ich, haben mitunterschrieben. Möge es nutzen!

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

es ist Zeit, konkrete Schritte zur Verbesserung der Situation der freien Linzer Kunst- und Kulturszene zu setzen. Die ersten Entwürfe des neuen Kulturentwicklungsplans zeigen in die richtige Richtung. Eine Kulturstadt braucht aber nicht nur starke öffentliche Einrichtungen, sondern auch eine starke freie Szene. Umso wichtiger ist es, jetzt die Weichen für substantielle Änderungen der Förderstruktur zu stellen. Denn noch immer stagniert das der freien Szene zuordenbare Budget in Linz. Die freie Szene erhält circa drei Prozent des gesamten Kulturbudgets oder nur zwei Promille des gesamten Stadtbudgets, in absoluten Zahlen ca. 1,4 Millionen Euro.

Dec
4

Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen?

Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen? Das fragt Daniel Friesenecker in der gleichnamigen Blogparade. Ich komme nun endlich dazu, dazu etwas zu schreiben und möchte meinen Beitrag im übrigen gleich auch als Beitrag zur Diskussion um die Neufassung des Kulturentwicklungsplans verstanden wissen.

Demokratie!

Das mit den freien Initiativen ist für mich allen voran eine demokratiepolitische Frage. Gibt es in einer Stadt und einem Land mehr an Mitgestaltungsmöglichkeiten als alle 4, 5 oder 6 Jahre irgendwo hingehen und wählen? Können sich Menschen zusammentun für etwas, was ihnen ein Anliegen ist und damit aktiv in die Gestaltung ihres Lebensumfeldes eingreifen? Wird das, was die da tun, als wichtiger Beitrag der Zivilgesellschaft für das Zusammenleben in einer Gesellschaft begriffen oder ist es nur eine lästige Störung des 'Business as usual' der Politik? Haben nur die, die sowieso über gesellschaftliche Macht verfügen, eine Lobby oder wird auch auf Stimmen gehört, die vielleicht nicht so laut, aber mindestens genauso wichtig sind?

Konkret äußert sich dieses Engagement freier Initiativen in vielfältigen Formen: Vom Kulturverein und Künstler_innenkollektiv über die Initaitive für ein gutes Zusammenleben im Stadtteil, vom sozialen Engagement bis zu freien Medienprojekten, von der Selbstorganisation von Migrant_innen bis zu konkreten Projekten für ökologische Nachhaltigkeit, von Friedensbewegten bis zu emanzipatorischen Bildungsinitiativen, von feministischen Kollektiven bis zu Jugendprojekten.

Manche verstehen dieses Engagement explizit politisch, wenn auch nicht unbedingt parteipolitisch. Andere würden es selbst nicht politisch nennen, tragen aber doch etwas ganz Wichtiges zur gemeinsamen Sache, der 'Polis' (das Gemeinwesen) bei.

Manche Initiativen arbeiten rein ehrenamtlich, andere wiederrum sind so groß geworden, dass das regelmässige Engagement ohne hauptamtliche Mitarbeiter_innen nicht machbar wäre. Gesellschaftliche sinnvolle Arbeitsplätze sind so entstanden.

Alles ist gemeinsam, dass sie demokratisch organisiert sind und fast alle gestalten ihre Arbeit so, dass sie für Interessierte Mitgestaltungsmöglichkeiten bieten. In diesen Initiativen passieren ganz oft Politisierungsprozesse von Menschen. Nicht wenige von diesen Menschen können mit der etablierten Parteipolitik nichts anfangen. Ihre Antwort ist dann aber nicht der Rückzug, sondern die gemeinsame und unmittelbare Gestaltung von Lebenwelt. Insofern halte ich zivilgesellschafliches Engagement auch für entscheidend für die Demokratie ansich. Diese kann nur leben und sich weiterentwicklen, wenn die öffentliche Sache eine gemeinsame Sache aller ist. Was da dann gemeinsam passiert, ja, das ist politisch auszuhandeln. Aber ohne die betroffenen Menschen wird es nicht gehen.

Freie Initiativen können vieles besser als der Markt und der Staat. Nicht alles. Ich bin mir sicher, dass es, wenn es um grundlegende Infrastukturen (Bildung, Verkehr, Sozialstaat, ...) geht, staatliches Handeln braucht. Und es braucht auch Gesetze, die das Zusammenleben in den Grundzügen regeln. Was freie Initiativen aber besser können, ist das Miteinander der Menschen zu organisieren. Sie können bedarfsorientierter und unmittelbarer konkrete Projekte und Ansatzpunkte entwickeln. Sie stellen den gesellschaftlichen Profit und nicht den ökonomischen Profit in die Mitte. Sie machen wirklich, wirklich spürbar, wie es sein könnte mit einem guten Miteinander. Nein, nicht ohne Konflikte und notwendige Aushandlungsprozesse von Interessen, aber doch in einer Form, dass Betroffene zu Mitgestalter_innen werden können. Mehr als es je über Wahlen möglich sein wird.

Ich möchte auch nicht naiv verschweigen, dass es in dieser offenen Definition diesem Definitionsversuch freier Initiativen auch Initiativen gibt, die in ihrem Tun der Demokratie zuwiderlaufen, sie in Frage stellen. Ja, auch die Nazis, Ewiggestrigen und Rassist_innen werden stärker und organisieren sich. Hier gilt es eine klare Grenze zu ziehen und bestehe Gesetze konsequent umzusetzen - und vor allem Alternativen zu schaffen. Die liegen meiner Meinung nach durchaus aber auch wieder im zivilgesellschaftlichen Bereich. Ja, es läuft vieles schief in unserer Gesellschaft. Wenn das nicht in einer autoritären, rechtsextremen und rechtspopolistischem Umwandlung der Gesellschaft enden soll, sondern in guten Lösungen für alle Menschen, dann wird es zivilgesellschaftliches Engagement und konkrete Mitgestaltungsmöglichkeiten vor Ort brauchen. Damit aus Wut über Ungerechtigkeit nicht Wut gegen Minderheiten wird. Damit sich die Demokratie nicht selbst in Frage stellt.

Kultur! Kunst!

Der Ausgangspunkt dieser Blogparade ist der Kunst- und Kulturbereich. Das ist auch kein Zufall, denn einerseits wird hier seit vielen Jahren offensiv der Begriff "Freie Szene" verwendet und andererseits ist kulturelles und künstlerisches Engagement für oben formulierte Überlegungen wohl ein paradigmatisches Anwendungsfeld. Das passiert ja auch.

Seit den 1970ern sind zahlreiche Kulturiniatiativen entstanden und wenn ich anfangen sollte deren Impulse für Linz und Oberösterreich aufzuzählen, dann würde ich wohl in meinem Leben nichts mehr anderes tun als bloggen ;-) Gerade auch wegen dieser Impulse, aber auch, weil sich Kunst ansich mittlerweile sowieso stärker gesellschaftlich bezogen begreift, passiert heute in kulturelles Institutionen inhaltlich viel, was, was vor 20 oder 30 Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Im ländlichen Bereich sind Kulturiniativen unverzichtbare kulturelle Nahversorger_innen, doch in der Stadt ist es nicht immer unbedingt das Programm, dass wirklich unterscheidet. Vielmehr ist es die Offenheit und Impulskraft dieser Initiativen, die sie so wertvoll macht. Kunst und Kultur wird dort anders organisiert als in den Institutionen und erst recht im kommerziellen Bereich. Das hat zur Folge, dass immer wieder Neues entsteht, sich Inhalte und Strukturen weiterentwickeln können und Freiräume da sind, die Menschen erst eine unmittelbare Beteiligung ermöglichen. Aus diesen breiten Strukturen wachsen dann auch immer wieder Künster_innen oder Kollektive, die mit ihrer Arbeit österreichweit oder international für Furore sorgen.

Medien!

Medien spielen in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen eine besondere Rolle. Ja, auch der öffentliche Raum ist spannend, aber vieles passiert medial vermittelt. Freie Medien wie sie die Freien Radios, das Community-Fernsehen, unabhängige Zeitprojekte und selbstorganisierte Internetinitativen repräsentieren, eröffnen Menschen einen unmittelbaren Zugang zur Medienarbeit. Da steckt ein entscheidendes Potential für die breite Vermittlung von Medienkompetenz drin. Doch genauso geht es auch um einen unmittelbaren Zugang von zivilgesellschaftlichen Initiativen und eizelnen Bürger_innen zur Öffentlichkeit. Das Internet verschiebt hier vieles, weil vieles umittelbarer, einfacher und kostengünstiger möglich geworden ist. Doch bin ich mir sicher, dass Radio, Fernsehen und Zeitung weiter eine Rolle spielen können, die sich aber durchaus verändert. So wie ich es wahrnehme, sind diese auch enorm wichtig für die Vernetzung unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche. 'Keine Demokratie ohne Medien' - von wem ist das?

Kulturentwicklungsplan Linz: Meine Vision und mein Realismus

Wenn ich nun wirklich sehr visionär denke, dann würde ich mir ob dieser Tatsachen wünschen, dass in der Stadt Linz der Anteil institutioneller Kultur radikal verkleinert wird und vieles in die Hände der Initiativen gegeben wird. Die Kommune wäre für mich sinnvollerweise für die Sorge für Infrastrukturen, Koordination und die Vergabe von Fördergeldern (nach auszuhandelnden Kriterien und durch Expert_innenjurys, denn schließlich geht es um Steuergelder) zuständig, aber eigentlich braucht es viel weniger städtisch organisierte Kunst und Kultur. Kulturbeamt_innen und Leiter_innen von Häusern wären in diesem Bild mehr Community-Manager_innen als Kulturveranstalter_innen.

Ja, ich könnte jetzt einfach sagen, 'mehr Geld für Kunst und Kultur'. Ja, das sage ich auch. Aber da bin ich jetzt vielleicht nicht recht visionär, sondern realistisch, dass angesichts der finanziellen Situation der Kommunen nicht wirklich viel drin sein wird. Darum glaube ich, dass ein Kulturentwicklungsplan als langer 'Wunschzettel ans Christkind' wenig Sinn macht. Vielmehr wäre es an der Zeit mit dem Umbau der Kunst und Kultur in Linz anzufangen. Wirklich anzufangen!

Sonst passiert nur - geduldiges KEP-Papier hin und her -salamitaktikmässig der Abbau von Kunst und Kultur. Erst in der freien Szene, weil die weniger Lobby hat und dann irgendwann mal auch in den Institutionen.

Gemeinsam mit den zivilgesellschaftlichen Initiativen im Kulturbereich könnte die Stadt Linz sich entscheiden, einen zukunftsweisenden Weg zu beschreiten. Sie könnte endlich aufhören (was sich seitens mancher Stadtpolitiker_innen leider eingebürgert hat), diese Initiativen als lästige Störung, sondern als wertvolle Mitstreiter_innen um ein gutes Leben in dieser Stadt wahrzunehmen. Nicht nur in Sonntagsreden, sondern durch glaubwürdige Schritte, die die Vielfalt dieser Initiativen auch in Zukunft garantieren und die es neuen Initiativen möglich machen, sich zu entwickeln. Auf Augenhöhe wäre ganz viel möglich, denn in den Kulturiniativen werken allesamt Leute, denen die Mitgestaltung dieser Stadt ein wirkliches Anliegen ist. Sonst würden sie unter den derzeit widrigen Bedingungen überhaupt nichts tun oder woanders hinziehen.

Wohin dieser gemeinsame Weg von Stadt Linz und zivilgesellschaftlichen Initiativen führen soll und wie dieser Weg gegangen werden kann, vor allem das sollte im Kulturentwicklungsplan stehen.

Ende 1: Apropos Realismus: Das, was ich mir wünsche, wird so nicht stattfinden. Aus vielerlei Gründen. Aber genauso wie bei anderen Dingen werden Forderungen nicht weniger wichtig und richtg, weil sie nicht morgen umgesetzt werden. Vielleicht übermorgen? ;-)

Ende 2: Ob ich die Frage, was der Gesellschaft FEHLEN würde ohne freie Initiativen wirklich beanwortet habe, weiss ich nicht so genau. Jedenfalls danke an Daniel für das Initieren der Blogparade, die für mich der Anlass war, dieses Thema wieder mal grundsätzlicher zu reflektieren.

Fotos:
Flickr CC by Ralph Aichinger
Flickr CC by - nc - sa a_kep

Nov
22

Hinweis auf die Blogparade zur Relevanz freier Initiativen für die Gesellschaft

Daniel Friesenecker hat in seinem Blog The Angry Teddy gestern spontan eine Blogparade gestartet. Thema ist: Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen?

Ich werde dazu eh was schreiben, aber in aller Ruhe. Hier jetzt einfach nur der Hinweis mit der Bitte um rege Beteiligung. Falls wer gerne was schreiben würde, sich aber mit Blogs und so noch nicht auskennt, kann er/sie sich gerne auch bei mir melden. Ist alles nicht wirklich kompliziert, das wird sich finden.

Nov
20

Wohin geht sie, die Medienstadt Linz? Bewegt sie sich überhaupt?

Am Mittwoch, 18. November 2011, habe ich über das Thema Medienstadt Linz auf DORF TV im Rahmen von kartell TV mitdiskutiert. Mit dabei Ushi Reiter (servus.at), Thomas Kreiseder (Radio FRO), Daniel Friesenecker (junQ.at) und Stefan Pawel (Open Commons Region Linz). Moderiert hat Thomas Diesenreiter (Backlab). Eigentlich waren wir uns alle recht einig: Es braucht mehr als ein Label "Medienstadt Linz", dass drauf gepickt wird, aber - außer der Ars Electronica - keinen Widerhall in der alltäglichen Praxis findet. Diese besten Anknüpfungspunkte, dass es anderes läuft, sind bestehende freie Medienprojekte wie Radio FRO, DORF TV und servus.at, aber auch kleinere Initiativen, die allesamt auszeichnet, dass sie aktive Medienproduktion fördern und reale Beteiligungsmöglichkeiten bieten. Wichtig in der Debatte war auch das Thema Creative Commons. Ein Zukunftsthema! Dass hier die Stadt Linz wirklich aktiv ist, macht Hoffnung, dass es irgendwann doch einmal so sein könnte, dass "Medienstadt" mehr als ein Label ist. Aber guckt Euch selbst die Sendung an:

Nov
18

Ein Konzert ohne Ton, ein DJ ohne Strom, ein Maler ohne Farben

So schaut aus mit der Kultur in Linz. Glorreiches Video der Linzer KAPU. Mehr dazu bei der KAPU und wieder mal ;-) bei Thomas Diesenreiter. Den offenen Brief der Freien Szene an die Linzer Kulturpolitik, den ich auch mitunterzeichnet habe, gibts es da als PDF.

Nov
15

Kartell-TV #3: Medienstadt Linz?

kartell-tv Nachdem am Samstag das Barcamp Kirche und Social Media ganz und gar wunderbar über die Bühne gegangen ist, gibts morgen schon wieder einen öffentlichen Termin. Ich diskutiere im Rahmen von kartell-TV bei DORF-TV über die Medienstadt Linz mit. Auch live zu sehen im Fernsehen. Die Ankündigung hat zurecht ein Fragezeichen im Titel. Mehr dazu aber drüben bei Thomas Diesenreiter, dessen Blog bei dieser Gelegenheit allen kulturpolitisch Interessierten empfohlen sei.

Sep
27

Vorschläge und Ideen für die freie Lizenzen-Förderung der Stadt Linz gesucht!

CC-Torte

Gestern war eine Sitzung des Stadtkulturbeirats und dort wurde das Thema der freie Lizenzen-Förderung seitens der Linz Kultur (Blogpost von Severin Mayr, mein Blogpost dazu) debattiert. Nachdem auch alle anwesenden Mitglieder des Stadtkulturbeirats der Meinung waren, dass diese 10%-Zusatzförderung ein interessanter, zukunftsweisender Ansatz ist, es aber einfach einiges an Klärungs- und Handlungsbedarf gibt, haben wir vereinbart, dass in nächster Zeit ein Termin mit Linz Kultur, mit Dr. Leisch, dem Leiter der Förderabteilung, stattfindet. Da soll es um zwei Dinge gehen:

1. Klären, wie es möglich ist, dass in der Beantwortung der Gemeinderatsanfrage davon gesprochen wird, dass alle Anträge auf die Zusatzförderung positiv behandelt wurden und so die 660.- Euro Förderung in drei Jahren zustande kamen - und es gleichzeitig Vereine wie JunQ.at gibt, die diese Förderung beantragt haben, aber sogar weniger Förderung bekommen haben als im Vorjahr.

2. Gemeinsame Arbeit an einem praktikablen Förderkonzept, dass dafür sorgt, dass diese Förderung in ihrer konkreten Abwicklung handhabbarer (erste Überlegungen stehen eh schon in den verlinkten Blogposts) und natürlich auch bekannter wird.

Dabei wäre Deine Mithilfe super:

1. Welche weiteren Vereine, Projekte, Künstler_innen gibt es, wo das mit der freie-Lizenzen-Zusatzförderung nicht geklappt hat? Welche sonstigen Erfahrungen gibt es damit?

2. Wer hat Lust am Zukunftskonzept mitzudenken? Das geht einerseits, indem ihr mir einfach eure Überlegungen mitteilt und ich diese dann weiterkommuniziere, aber gerne auch beim Dabeisein beim Termin mit LinzKultur.

Bitte nutzt doch den Kommentarbereich oder nehmt sonstwie mit mir Kontakt auf! Ich bin recht optimistisch, dass - trotz der allgemein tristen Lage in Sachen Kulturförderungen der Stadt Linz - in dieser Sache etwas positiv weiterzubringen ist. Der Stadtkulturbeirat wird da gewiss ein Auge darauf haben. Die Mühe lohnt also und mit freien Lizenzen arbeiten wir da definitiv an zukunftsweisenden Kulturförderlösungen!

Sep
15

Gut gemeint? Zusatzförderung für freie Lizenzen der Stadt Linz bei Kulturprojekten

Schon eine Weile fördert die Stadt Linz Kunstprojekte, deren digitale Produkte unter einer freien Lizenz veröffentlich werden, mit einer Zusatzförderung von 10%. Eine gute Sache, würde ich ansich mal sagen, und das passt auch hervorragend ins Bild der Open Commons Region Linz. Severin Mayr, Gemeinderat der Grünen, hat nun mittels einer Anfrage im Gemeinderat nachgefragt, wie denn diese Initaitive so genutzt werden. Das Ergebnis ist ernüchternd:

Das Positive zuerst: Alle Anträge auf Sonderförderung wurden genehmigt. Die Einschränkung: Es gab bislang laut Anfragebeantwortung erst 8 Ansuchen (2009: 2; 2010: 0;2011: 6). Insgesamt wurden seit 2009 ganze 660 Euro an zusätzlicher Förderung für unter eine Freien Lizenz veröffentlichte Kunst- und Kulturprojekte ausgeschüttet.

Severin hat sicher recht, dass es Sinn machen würde, wenn die Stadt diese Möglichkeit aktiver bewirbt. Ich leiste da ja jetzt auch gleich noch einen Betrag dazu, indem ich darüber blogge ;-) Zusätzlich glaube ich aber, dass diese Zusatzförderung auch seitens der Kulturpolitik und -verwaltung noch nicht wirklich durchdacht ist.

Das derzeit geltende Urheberrecht macht es manchen KünstlerInnen einfach gar nicht möglich diese Förderung zu nutzen, weil sie vertraglich exklusiv z.B. an die AKM gebunden sind und daraus auch für sie relevante Einnahmen generieren. Da geht es dann - so wie ich das als Nicht-Juristin verstehe - gar nicht, ein einzelnes Werk unter eine CC-Lizenz zu stellen. Alles oder gar nichts ist die Devise. Dieser Umstand ist aber zugegebenermassen von der Stadt Linz kurzfristig nicht zu ändern, die Creative Commons Initiative zeigt, dass da durchaus auch auf politischer Ebene darüber nachgedacht wird, ob das Urheberrecht heute noch zeitgemäß ist oder eher ein Relikt aus dem vorherigen Jahrhundert. Sinnvoll wäre es meines Erachtens hier stärker in den Service- und Beratungssbereich zu investieren. Im Dschungel des Urheberrechts brauchen Kulturschaffende Unterstützung, um herauszufinden, was für sie persönlich unter den gegebenen Umständen Sinn macht. Derzeit wüsste ich nicht, wo ich da in Linz mit Fragen hingehe, außer vielleicht zur KUPF, die aber ja eigentlich für die Kulturvereine und nicht EinzelkünstlerInnen zuständig ist. Das müßte ja auch nicht unbedingt die Stadt selbst machen, sondern gerade die KUPF zeigt, dass auch für so praktische Dinge selbstorganisierte Zusammenhänge am besten funktionieren - dann, wenn sie dafür auch entsprechende öffentliche Förderungen bekommen und so etwas auch professionell leisten können.

Der zweite Aspekt, wo die Kulturverantwortlichen Handlungsbedarf hätten, liegt sehr wohl im eigenen Bereich der Stadt. In den Informationen zur Förderung ist zwar angeführt, welche Medien davon profitieren könnten, doch ist mir völlig unklar wie die kontextbezogene Einbindung in künstlerisch-kulturelle Projekte oder auch die Jahrestätigkeit von Kulturvereinen ausschaut. Ein guter Teil kreativer, digitaler Produkte entsteht in Prozessen, beispielsweise wird in Workshops gemeinsam produziert oder die Dokumentation eines Kunstprojekts erfolgt mittels unterschiedlicher Medien. Wie schaut das dann aus? Was wird dann gefördert? Der ganze Projektprozess oder nur bspw. die unter CC-Lizenz erscheinende Publikation? Wie läuft dann das Förderverfahren? So lange das nicht wirklich klar geklärt und kommuniziert ist, werden mache sich wohl denken, das lohnt sowieso nicht, denn dass Kulturförderungen der Stadt sowieso immer eher gering ausfallen (Ausnahmen bestätigen die Regel!), ist bekannt.

Und was ist eigentlich mit servus.at, jener Initiative, die seit Jahren selbst konsequent auf freie Software setzt und aktiv die Produktion freien Contents in der Kultur-Szene unterstützt? Wenn ich nicht den Buchstaben der Förderrichtlinie folge, sondern der eigentlichen verkündeten Intention, freie kreative Inhalte mehr zu unterstützen, müßte die Stadt gerade da mehr investieren. Die Förderungen der Stadt für servus.at sind aber mehr schlecht als recht, seit Jahren.

Handlungsbedarf! Definitiv Handlungsbedarf, würde ich sagen. Sonst schreibe ich bei nächster Gelegenheit keinen Blogbeitrag mehr über eine ansich gute Sache, sondern über eine Alibiaktion, die noch dazu billig hergeht mit € 660.- in drei Jahren. Bleibt nur noch die Frage, wer das hier überhaupt liest ;-)

Jan
30

Ein Jahr Stadtkulturbeirat, ein Jahr was eigentlich ...

Gut ein Jahr bin ich nun Mitglied des Stadtkulturbeirats in Linz. Ein Jahr und eigentlich weiss ich noch immer nicht recht, ob das eine sinnvolle Entscheidung war, da ja zu sagen. Ich wurde ja von verschiedener Seite gewarnt, dass das alles nur Zeitverschwendung ist. Und irgendwie kann ich den warnenden Stimmen auch nicht wirklich wiedersprechen.

Ja, ich treffe dort ein paar interessante Leute, wir tauschen uns aus und machen Arbeitskreise. Kulturstadtrat und Kulturbeamt_innen stehen Rede und Antwort. Rausgekommen ist dabei bis jetzt recht wenig, das Interessanteste war eigentlich die Wahl der Vorsitzenden zu Beginn und jetzt in dieser letzten Sitzung. Die sind sehr engagiert und ich kann ihnen als "einfaches Mitglied" nur Respekt zollen für die Hartnäckigkeit des Engagements. Wir haben es sogar geschafft, dass wir von der Stadt Linz eine Mailingliste zur Koordination bekommen haben, nach Monaten, etwas das bei servus.at meist über Nacht erledigt ist.

Aber inhaltlich? Ja, es wird ein Empfehlungspaket geben, das im März fertig ist und, so weit das aus den Vorentwürfen zu beurteilen ist, auch eine Menge kluger Vorschläge enthält. Was dann damit passiert, ist aber wieder unklar. Denn aus den Vorjahren ist bekannt, dass halt das umgesetzt wird, was für Politik und Verwaltung genehm ist und der Rest verschwindet in der Versenkung. Naja, immerhin gab es zum Paket aus dem Jahr 2009 eine Auswertung von Linz-Kultur, was erledigt wurde und was nicht und warum nicht. Aber da musste ich schon wieder hören, dass z.B. in der Frage der fehlenden Proberäume für Musiker_innen wieder mal nichts weitergegangen ist - als ob dieses Problem nicht schon seit 10 Jahren oder noch länger bekannt wäre. Versprochen ist das jetzt seitens des Kulturdirektors bis Sommer. Mal sehen.

Steter Tropfen höhlt den Stein. Ja und nein. Bei jeder Sitzung des Stadtkulturbeirats hadere ich mit mir, ob das alles eh nur Alibi und Behübschung ist oder eben notwendiges kleinteiliges Engagegement für die Kulturpolitik in Linz. Ich bin unschlüssig.

Sicher bin ich mir aber, dass es so nicht weitergeht. Der Stadtkulturbeirat wurde mit dem Kulturentwicklungsplan (KEP) eingerichtet; zynisch könnte ich dazu sagen als eine der Massnahmen, die wenig Geld kosten und somit neben dem Prestige- und Standortprojekt Linz09 umgesetzt wurden. Er hat die Aufgabe, die Stadt Linz in Kulturfragen zu beraten. Die Neufassung des Kulturentwicklungsplans, die jetzt ansteht, ist für mich jedenfalls Anlass dieses Beirats-Konstrukt massiv zu überdenken. Viel Zeit, viel Mühe, engagierte Menschen, aber wenig Output. Das muss doch irgendwie auch anders gehen. Da muss es doch andere Wege geben, partizipative Beteiligung der Linzer Kulturschaffenden und auch aller Linzer_innen (!) an der städtischen Kulturpolitik sicherzustellen. Laufend, nicht nur punktuell alle 10 Jahre mal. Darüber möchte ich in nächster Zeit nachdenken und Ideen in den KEP-Prozess einbringen.

Hast du Ideen, wie das gehen könnte?
Oder ist das auch wieder vertane Liebesmüh?

Foto: tschoerda