Kirche

Dec
18

Herbergssuche 2012

Vor ein paar Tagen habe ich mich über die deutlichen Worte von Bert Brandstetter, Präsident der Katholischen Aktion OÖ und Erika Kirchweger, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ, zur Situation in Bad Leonfelden sehr gefreut. Da war klar, dass die Ablehnung von Unterkünften für AsylwerberInnen nicht mit christlichen Grundwerten zusammengeht. Das sind zwei Stimmen von vielen Christ_innen, die sich seit Jahren für die Rechte von Asylwerber_innen engagieren.

Was sich gerade jetzt in Wien abspielt ist das Gegenteil davon. Seit mehreren Wochen gibt es das Refugeecamp im Votivpark. Nichts ist weitergegangen mit den Forderungen der Flüchtlinge, die eigentlich nichts anderes wollen als das Recht auf menschenwürdiges Leben. Nun möchten die Flüchtlinge die Votivkirche als Ort für die Übernachtung nutzen. Kein Wunder bei der Kälte. Und inhaltlich eigentlich nichts Anderes als ein Hilfeschrei, dass doch endlich was passieren muss, sich irgendetwas an den schier unglaublichen Zuständen ändern muss.

Der Presseinformation der Pfarre ist zu entnehmen, dass das Verhältnis der Pfarre und der Flüchtinge bisher positiv war, nun aber dieser Hilfeschrei als "Besetzung" gewertet wird und die Flüchtlinge die Kirche verlassen sollen. Via Twitter (Hashtag #refugeecamp) war zu erfahren, dass schon die Polizei verständigt wurde.

Auch wenn ich im Moment nur sehr selektiv Informationen habe*: Ich verstehe diese Reaktion der Pfarre überhaupt nicht und mir ist ehrlich gesagt auch schleierhaft, was an so einem Verhalten "christlich" sein soll.

Ja, eine Kirche ist im Normalfall kein Ort zum Übernachten und natürlich ist das alles nicht so einfach. Aber irgendwann habe ich da mal in der Bibel gelesen: "Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat" (Mk 2,27)- was heisst: Regeln sind gut und schön, aber wenn sie sich gegen Menschen richten, dass müssen sie auch gebrochen werden.

Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen (Mt. 25,35c). Das muss auch gelten, wenn es um eine Kirche geht - und nicht nur, wenn es eine Forderung an Andere ist wie in Bad Leonfelden. Ich würde mir wünschen, dass die Flüchtlinge wenigstens mal eine Nacht in der Votivkirche bleiben können und dann gemeinsam an weiteren Schritten gearbeitet wird.

Sonst ist alles, was wir da Weihnachten feiern, nur sentimenaler Kitsch ohne Inhalt. Irgendwann mal habe ich da auch von einem jungen Paar, sie schwanger, gehört, die auf Herbergssuche waren und das Kind ist dann im Stall auf die Welt gekommen, weil sonst kein Platz zu finden war ...

Jun
27

Update!

update

Was es mit diesem Cartoon (via) und der Kirche auf sich hat, darüber habe ich im neuen Blog Freude und Hoffnung des Kommunikationsbüros der Katholischen Kirche in Oberösterreich geschrieben. Es geht um Updates, das II. Vatikanische Konzil und Open Source.

-->> http://freudeundhoffnung.wordpress.com/2012/06/27/update/

Jun
5

Klasse Demo "Hallo Rom!"

Klasse wars und gut für die Psychohygiene bei der Demo "Hallo Rom! am 2. Juni. Im Video kommt einiges von der Stimmung rüber:

Jun
1

Gut für die Psychohygiene

Morgen, Mittwoch, 2. Juni 2010, gehe ich wieder mal demonstrieren. Diesmal für die Öffnung in der Kirche, Hallo-Rom, die Katholische Jugend, organisiert das. Wird zwar nicht viel nutzen, so realistisch bin ich, aber es wird lustig, bunt und kreativ werden - und es ist gut für die eigene Psychohygiene. Gerade in der Kirche. Wer sieht das auch so?

May
3

Kommunikation des Evangeliums via Social Media. Ein Bericht vom Barcamp Kirche 2.0.

Am Wochenende war ich am Barcamp Kirche 2.0 in Frankfurt. Nachdem ich mich heute vormittag ausgeschlafen habe (und vermutlich im Traum die vielen neuen Eindrücke verarbeitet habe), ist dann nachmittags ein ziemlich langer Blogeintrag dazu entstanden: Hier gehts lang.

Mar
28

Mitgehangen, mitgefangen - zur Erbsünde der Kirche

[Erstveröffentichung auf ThemaTisch]

Ich merke immer mehr, dass ich es in meiner Wut und meiner Sprachlosigkeit immer mehr brauche, mich dem Thema sexualisierte Gewalt in der Kirche  in theologischer Weise anzunähern. Interessant, dass gerade die Tradition der Kirche da Beschreibungsmuster bereithält, die der Sache meiner Meinung nach mehr gerecht werden als nicht-religiöses Sprechen über das eigentlich Unfassbare. Offenbar stimmt die Rede von geronnenem Wissen.

400px-B_Escorial_18Eine solche Rede ist die von "Erbsünde". Dieser Begriff ist vieldeutig und höchst missverständlich, denn es gibt einen Traditionsstrang vom Kirchenvater Augustinus her, wo der Mensch als sündig aufgrund seiner Zeugung durch sexuelle Handlungen beginnend bei Adam und Eva gesehen wird. Diese Tradition ist es auch, dass ganz erheblich dazu beigetragen hat, dass Kirche lange Sexualität verteufelt, tabuisiert hat und es in manchen Bereichen noch immer tut. - Etwas, dass meiner Meinung nach ein Teil des Problems ist, denn die sexualisierte Gewalt in der Kirche ist nicht nur ein missachtenswertes Vergehen an Kindern durch einzelne Menschen, sondern eben auch ein strukturelles Problem der Institution Kirche.  


Und doch: Es gibt ein Denkens über den Begriff "Erbsünde", die für mich meine aktuelle Situation sehr gut zum Ausdruck bringt. Fernab von irgendwelchen genetischen Vererbungen ist es doch so, das wir Menschen schon hineingeboren werden in einer Welt, die nicht nur gut ist, sondern strukturelle Ungerechtigkeit, Ausschluss, Machtmissbrauch, Egoismus ist die Regel - im kleinen wie im globalen. Denke ich nur an mein Konsumverhalten, perpetuiere ich tagtäglich durch das, was ich kaufe und esse diese Ungerechtigkeitsverhältnisse - selbst dann, wenn ich mich bemühe vermehrt Fair Tratte- und biologische Produkte zu kaufen. Ich kann nicht wirklich aussteigen aus dem Kreislauf der Ungerechtigkeit. Meine Freiheit ist beschränkt. Diese Situation meint der Begriff "Erbsünde" oder auch die Rede von "struktureller Sünde", die auch Eingang ins II. Vatikanische Konzil, den Aufbruch der Kirche in den 1960er-Jahren, gefunden hat. 

Mar
28

"Soviel kann ick jar nich fressen, wie ich kotzen möchte"

[Erstveröffentichung auf ThemaTisch]

"Soviel kann ick jar nich fressen, wie ich kotzen möchte" sagte Max Liebermann angesichts von Nazi-Fackelzügen durch das Brandenburger Tor, vor dem ich letzte Woche gestanden bin, im Jahr 1933. Dieser Spruch geht mir seitdem nicht aus dem Sinn, auch wenn jeder Vergleich unangemessen ist. Immer wieder muss ich "Soviel kann ick jar nich fressen, wie ich kotzen möchte" denken, wenn mir der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in den Sinn kommt.

3385126997_2a641d311b_mViel ist dazu schon gesagt worden: Zu Recht wird Aufklärung, Transparenz, Hilfe für die Opfer und Prävention für die Zukunft gefordert. Zu Recht wird nach Strukturen gefragt, die Missbrauch und Gewalt begünstigen. Zu Recht wird die moralische Integrität einer Kirche in Frage gestellt, die zulässt, dass Kinder zu Opfern werden und TäterInnen ungeschoren davon kommen. Zu Recht wird aber auch darauf hingewiesen, dass ein einfacher Schluss vom Zölibat auf Kindesmissbrauch zu kurz greift. Zu Recht verweist die Kirche auch darauf, dass in den letzten 10, 15 Jahren Strukturen entwickelt wurden wie die Ombudsleute in den Diözesen, die Ansprechstellen für die Opfer sind und präventiv wirken sollen. Und, und, und ...