Internet

Dec
26

"Was ist Ihre konkrete Aufgabe als Social Media-Managerin?“

Vom sinnstiftermag, einer ziemlich coolen Onlinezeitschrift an der Schnittstelle Pastoral und Marketing, wurde ich gefragt, was ich so als Social Media Managerin der Katholischen Kirche in Oberösterreich mache. Meine Antwort ist hier nachzulesen.

Dec
5

Geschenkpapier bügeln und so

Manche haben sich schon mitgekriegt, dass ich mit dabei bin im Team für den Webmontag der Social Media Guides. Drüber hier zu bloggen habe ich - welche Schande - noch nie geschafft. Aber da ja am 22. Dezember der Weltuntergang naht ;-) ist das was, was ich unbedingt noch erledigen muss!

Falls mich wer beim Bügeln von Weihnachtspapier sehen will, die_der klickt unten auf "play". Es ist aber durchaus auch um ernsthaftere Themen wie ACTA und Adventbräuche gegangen bei diesem partizipativen Event der Netzcommunity, dass via DORF TV und Livestream gesendet wurde. Wie das Bügeln eines Adventkalenders funktioniert, haben wir aber nicht ausprobiert.

Oct
31

Das Social Web zitieren

Ich bin grade in der Endfertigung meiner Diplomarbeit. Dabei geht es natürlich auch um die Korrektheit des wissenschaftlichen Apparats. Ich habe themenbedingt - ich schreibe ja über Kirche und Social Media - überdurchschnittlich viele Internetquellen.

Heute habe ich auf Facebook mit einigen Leuten über Varianten des Zitieren diskutiert. Hier möchte ich nun Teile der Diskussion und meine eigenen Erkenntnisse im Diplomarbeitsprozess zusammenfassend wiedergeben.

Zentral scheint es mir generell zu sein, sich immer die Funktionsweise einer Social Web Anwendung genau vor Augen zu führen und daraus zu schlussfolgern, wie so etwas so zitiert werden kann, dass es bestmöglich intersubjektiv überprüfbar ist. Das ist ja der Sinn der Sache des wissenschaftlichen Zitierens.

Datumsangabe

Dass bei Internetquellen eine Datumangabe unumgänglich ist, weil die Inhalte sich ja ändern können, dürfte sich wohl mittlerweile eingebürgert haben. Ich löse das so, dass ich am Anfang des Literaturverzeichnisses einen Hinweis anbringe, wann ich die Links zum letzten Mal geprüft habe. Es hat sich herausgestellt, dass die Datumsangabe bei jedem einzelnen Verweis das ganze nur unübersichtlich macht - jedenfalls dann, wenn es wie bei mir viele Angaben sind.

Herausgeberin

Ich führe, soweit das irgendwie möglich ist, eine Herausgeberin der Internetseite an. Danke für den Tipp, Christian Schröder - das macht auch das alphabetische Sortieren einfacher. Herausgeberin ist im Normalfall jene Person oder Organisation, die im Impressum steht. Gibt es sowas nicht, dann versuche ich anhand des Inhalts und der Funktionsweise des Webangebots zu ermitteln, wer für den Inhalt verantwortlich ist. Das ist dann bspw. die Inhalteerstellerin einer App, die via iTunes verfügbar ist und nicht die Firma Apple. Christian Schröder hat bei diesem Beispiel angemerkt, dass da Apple ja eher mit einem Verlag zu vergleichen ist.
Bei einer Facebook-Page (oder auch anderen Seiten) gibt es, wie Bernhard Wehres bemerkt hat - zu bedenken, dass nicht immer die Herausgeberin, die draufsteht, auch wirklich dahinter stecken muss, da ja jede_r eine solche Seite anlegen kann und nicht immer alles "offiziell" ist, was auf den ersten Blick so ausschaut. Bezüglich Facebook gibt Ralf Peter Reimann auch noch zu überlegen, dass bei persönlichen Profilseiten die intersubjektive Überprüfbarkeit nur beschränkt gegeben ist, da diese ja zumeist nur dem Kreis der direkten Kontakte einer Person zugänglich sind. Hier wäre dann eher so zu zitieren wie bei einem Gespräch. Hilfreich ist es jedenfalls da mal im nicht-eingeloggten Zustand zu schauen, was wirklich sichtbar ist.

Einheitliches Format

Ja, das braucht es. Oft ist es notwendig bei Social Web Anwendungen etwas zu spezifizieren. Ich mache das so:

Herausgeberin (Hg.), Titel (Anmerkung wie z.B. Facebook-Page, iTunes, ...). Online verfügbar: ...

Da ist aber wohl jede andere Variante denkbar. Mit diesem Format komme ich aber zu einer gewissen Einheitlichkeit der Literaturverweise.

Tagesaktuelle Informationen

Manche Anwendungen fragen ja tagesaktuelle Informationen ab - so beispielsweise der Social Media Radar Nutzer_innenzahlen von Facebook und Twitter, jeweils direkt über die API der Dienste oder eigene Algorithmen. Hier gebe ich das Abfragedatum extra mit an, sonst macht das ja keinen Sinn. Auf solche oder ähnliche Dienste zu verweisen scheint mir aber grundsätzlich sehr sinnvoll, weil ich damit ganz aktuelle Daten liefern kann, was bspw. mit jeder Printpublikation nicht immer gegeben ist.

Wikis

Wikis haben den grossen Vorteil, dass die Entstehungsgeschichte eines kollaborativ produzierten Textes im Web verfügbar ist. Axel Maireder erklärt, dass das durchaus, klug angewandt, auch ein Qualitätskriterium für wissenschaftlich zitierte Texte sein kann. Ich gebe in diesem Fall das Datum und die Uhrzeit der letzen Änderung und den_die User_in an, die es geändert hat.

Tweets

Gaby Filzmoser hat mich auf einen Beitrag in den Science Blogs von Ali Arbia verwiesen, der über das Zitieren von Tweets Auskunft gibt. Hier finde ich amüsant, dass da die Fußnote dann um einiges länger ist als der zitierte Tweet.

In Düsseldorf gibt es übrigens ein Forschungsprojekt zu diesem hier diskutierten Thema. Das habe ich mir auch gedacht, dass das eigentlich eine eigene Arbeit wert ist so etwas zu überlegen. Trotzdem brauche ich jetzt mal ganz pragmatisch eine Strategie für die Fertigstellung meiner Diplomarbeit ;-)

Oct
28

Titel gesucht!

fragezeichenIch suche einen Titel für meine Diplomarbeit und freue mich grade über die vielen inspirierenden Rückmeldungen auf Facebook und Twitter. Hier nun ein Ausschnitt aus der abschließenden Zusammenfassung. Vielleicht mag das ja wer lesen und es hilft bei der Titelfindung. Sie ist fast fertig, es fehlen nur noch minimale Dinge und drum muss die Titelfrage nun endlich entschieden werden. Die abschließende Zusammenfassgung gehört aber wohl auch zu den Texten, wo ich noch ein bisserl was tun muss, merke ich grade ....


Im Zuge dieser Arbeit war ausgehend von einer Darstellung der wichtigsten kommunikationswissenschaftlichen Aspekte des Social Web Gelegenheit in die Lebenswelt der Digital Natives einzutauchen. Sie sind diejenigen, die nicht mehr „online gehen“, sondern fast beständig „online sind“, sie organisieren ihren Alltag im und mit Hilfe des Social Web, dass sich dadurch auszeichnet, dass sich die eindimensionalen „ein-Sender-viele-Empfänger“-Strukturen der traditionellen Massenmedien in Richtung Produsage und Dialog auf Augenhöhe weiterentwickelt haben. Das Beziehungs- Identitäts- und Informationsmanagement der Menschen findet zunehmend auch online statt, damit spiegeln sich zentrale Fragen des Menschseins in der Kommunikation im Social Web. Anhand des Vergleichs verschiedener Sinusstudien konnte gezeigt werden, dass Digital Natives einen postmodernen und multioptionalen Lebensstil pflegen. Sie sind Sinnsucher_innen, doch stösst die derzeitige Sozialgestalt der Kirche bei ihnen kaum auf Ressonanz. Ohne Social Web ist die Eröffnung eines positiven Kommunikationsraum der Kirche mit diesen Menschen kaum denkbar. Medien konstruieren Realität. Auch wenn mancherorts mit dem Social Web verbundene „Heilsversprechungen“ nicht zu begründen sind, ruft das Social Web tiefgreifende Fragen der Organisation des menschlichen Miteinanders und nach dem Sinn auf den Plan. Religion als das, was uns unbedingt angeht (Paul Tillich), ist im Social Web in aller Vielfalt und Widersprüchlichkeit, die heute in der Gesellschaft vorgefunden wird, Thema.
Das Social Web ist ein pastoral und theologisch bedeutsamer Ort, weil es ein Ort lebensbedeutsamer Kommunikation ist. Es wurden in dieser Arbeit relevante Elemente der Theologie des II. Vatikanisches Konzils und das Konzept der Pastoral der Passung skizziert und dabei gefragt, wie es gelingen kann, positive Kommunikationsräume mit Digital Natives zu eröffnen, wie Netzinkulturation Realität werden kann. Dieser Prozess ist in Ansätzen schon im Gange, das wird bei den vielen angesprochenen Beispielen deutlich. Dabei sind aber auch viele Ambivalenzen und offene Fragen deutlich geworden. Nicht zuletzt hängt es von der Lesart der Theologie des II. Vatikanischen Konzils ab wie mit Medien und näherhin dem Phänomen Social Web umgegangen wird. Medien- und Kirchenbild bedingen einander wechselseitig. Wer sich aktiv auf die usergenerierte Logik des Social Web einlässt findet in der Volk Gottes Theologie des II. Vatikanischen Konzil eine analoge theologische Entsprechung. Alle Menschen sind Subjekt und Objekt des Glaubens und der kirchlichen Kommunikation, Glaube ist etwas das immer wieder errungen werden muss.
Das vorgestellte Konzept der Pastoral der Passung eignet sich in hervorragender Weise für die Kommunikation mit Digital Natives, weil hier vorgeschlagen wird, sich in experimentieller Weise und lösungsorientiert auf die konkrete Lebenssituation von Menschen einzulassen und gemeinsame Lernschritte zu machen. Digital Natives könnten die Vielfalt der Gotteserfahrungen des Volk Gottes in hervorragender Weise bereichern. Diese grundsätzlichen pastoralen Überlegungen können in Form der Netzinkulturation konkreter gedacht werden, die das Produsage-Paradigma des Social Web stark macht. In wechselseitiger Inspiration von Digital Natives und christlicher Botschaft entsteht in kreativer Weise Neues.

Jul
29

Kommunikationschancen der Kirche mit Digital Natives (Ausschnitt Diplomarbeit)

Nachdem ich das letzte Mal als ich einen Ausschnitt meiner Diplomarbeit ins Netz gestellt habe (Der Begriff der Digital Natives) so gute Erfahrungen mit den anregenden Rückmeldungen gemacht habe, möchte ich das wieder tun. Dieser Abschnitt ist bezieht sich auf meine Schlussfolgerungen aus der Lektüre unterschiedlicher Untersuchungen, die alle mit den Sinusmodell arbeiten und die ich in den vorherigen Punkten detailiert dargestellt habe. Es ist vermutlich nur dann gut verständlich, wenn jemand dieses sozialwissenschaftliche Modell zumindest etwas kennt. Trotzdem möchte ich es probieren und freue mich über kritische Anmerkungen! Und ja: Es geht voran!

Foto: Flickr CC by re:publica 2012Foto: Flickr CC by re:publica 2012

Zusammenfassend werden hier einige zentrale Zusammenhänge aus den vorgehenden Darstellungen in Form von vier Thesen beleuchtet.

(1) Die Kirche hat, so die Ergebnisse der Sinusstudien, ein massives Kommunikationsproblem mit postmodernen Milieus, die Digital Natives sind. Internet und Social Web ist für sie ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags, es ist mit ihrer Identität, ihren Beziehungen und ihrem Informationsmanagement verwoben. Kirche wird von Menschen mit postmodernem Lebensstil als alt, verstaubt und reformresistent wahrgenommen. Im Alltag gibt es kaum Berührungspunkte, weil sie keinen Nutzen in den Angeboten der Kirche sehen. Der Vergleich verschiedener Untersuchungen zeigt: Je kirchendistanzierter jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er_sie Digital Native ist.

(2) Bemerkenswert ist, dass es offenbar postmoderne Milieus sind, die kirchliche Internetkommunikationsangebote sehr stark nachfragen, das macht der MDG-Trendmonitor deutlich. Das hat wenig mit ihrem religiösen Interesse zu tun. Vielmehr ist ihre intensive Internetnutzung dafür ausschlaggebend. „Internet-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, gehen am Internet-Publikum weitgehend vorbei“ (Meier, Klaus, Positionierung der katholischen Kirche im Internet, in: Communicatio Socialis 3/2006, 292) hat Klaus Meier schon 2006 formuliert. Da mittlerweile aufgrund steigender Internetnutzer_innen insgesamt mehr Menschen im Internet unterwegs sind, ist natürlich auch der Nutzer_innenkreis religiöser Angebote breiter geworden. Es darf davon ausgegangen werden, dass sich dieser Bereich insgesamt differenziert hat. Doch intensive Social Web-Nutzer_innen sind primär postmoderne Milieus. Insofern darf geschlussfolgert werden, dass Social Media-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, an der Dialoggruppe im Social Web weitgehend vorbeigehen. Die Ausnahme bilden dabei Jugendliche, denn diese kommunizieren alle - wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität - im Social Web.

(3) Gleichzeitig machen aber die Sinusstudien deutlich, dass es durchaus Chancen gäbe, einen positiven Kommunikationsraum mit diesen Milieus zu eröffnen, da sie mehrheitlich potentiell offen sind für Religion und noch mehr Glaube. Das Sinus-Institut nennt als grundlegende Veränderungstrendenzen unserer Gesellschaft drei Faktoren:

Modernisierung und Individualisierung: Öffnung des sozialen Raumes durch höhere Bildungsqualifikationen, steigende Mobilität und Kommunikation und dadurch erweiterte Entfaltungsspielräume und Wahlmöglichkeiten
Überforderung und Regression: Wachsende Überforderung und Verunsicherung durch den technologischen, soziokulturellen und ökonomischen Wandel, durch die Vielfalt der Möglichkeiten (Multioptionsparalyse) und die Entstandardisierung von Lebensläufen – mit der Folge von Orientierungslosigkeit und Sinnverlust, Suche nach Entlastung, Halt und Vergewisserung (Regrounding)
Entgrenzung und Segregation: Durch Globalisierung und Digitalisierung getriebenes Auseinanderdriften der Lebens- und Wertewelten, sozialhierarchische Differenzierung und wachsende soziale Deklassierungsprozesse, Erosion der Mitte, Entstehen einer kosmopolitischen Elite (One-World-Bewusstsein)

Es ist naheliegend, das Orientierungsangebote aus der christlichen Tradition in diesem Regrounding-Kontext auf Ressonanz stossen könnten. Die christliche Botschaft ist in der Lebenswelt der Postmodernen nicht irrelevant, das aktuell vorfindliche institutionelle Gefüge der Kirche verstellt aber in vielen Fällen die Möglichkeit einer positiven Kommunikation.

(4) Dass das Internet und das Social Web dabei eine erhebliche Rolle spielt, ist naheliegend. Manchmal finden sich sogar diesbezügliche explizite Appelle im Social Web. Expemplarisch sei hier der Blogger, Künstler und Medienjournalist Sebastian Baumer zitiert, der sich selbst als Atheist bezeichnet und schreibt:

Wäre ich die katholische Kirche, ich würde eine Webseite bauen lassen, auf der man die ganze Bibel lesen kann, schön übersichtlich gestaltet, mit einzelnen Kapiteln, Zusammenfassungen, Illustrationen und teuflisch schicker Typographie. Man könnte einzelne Textstellen markieren und twittern oder bei Facebook und sonstigen Social Networks posten. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, dann würde ich einmal im Jahr einen Wettbewerb ausrufen, bei dem zeitgenössische Schriftsteller meine besten Stories (Mose und das Meer, Die Apokalyse, Adam und Eva etc.pp.) neu schreiben und vortragen, ohne irgendwelche Vorgaben. Die Texte gäbe es im Bundle mit den zugehörigen Originalen für jedermann kostenlos als Print- und eBook-Version. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde alle meine abgefahren beeindruckenden Kirchen, Klöster und sonstigen Bauwerke weltweit in 3d photographieren und ne iOS-App bauen lassen, mit der man sie alle virtuell besichtigen kann. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde sofort mehrere Kampagnen starten, in denen ich den Leuten klar machen würde, dass in der Vergangenheit zwar einiges schief gelaufen ist, aber dass meine Kernbotschaft von Nächstenliebe und sich nicht wie ein Scheißasi benehmen eigentlich ziemlich zeitlos gut ist, egal, ob man an den alten Mann in Himmel glaubt oder nicht.
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde den Gottesdienst interaktiver und mit viel mehr Humor gestalten und würde jeden neu eingestellten Prediger dazu verpflichten, neben dem üblichen Beichtkram für die älteren Gläubigen einfach permanent für die Leute übers Netz erreichbar zu sein und bei Problemen aller Art zu helfen oder einfach nur zuzuhören.
Wäre ich die katholische Kirche, es könnte alles ziemlich cool werden, auch ohne den Inhalt groß zu verändern.

Ob der Weg der Glaubenskommunikation im Social Web aber überhaupt ein adäquater ist, kann allerdings nicht alleine auf der Ebene der Sozialwissenschaft verhandelt werden, sondern die Frage ist theologisch zu beantworten.

Jun
27

Update!

update

Was es mit diesem Cartoon (via) und der Kirche auf sich hat, darüber habe ich im neuen Blog Freude und Hoffnung des Kommunikationsbüros der Katholischen Kirche in Oberösterreich geschrieben. Es geht um Updates, das II. Vatikanische Konzil und Open Source.

-->> http://freudeundhoffnung.wordpress.com/2012/06/27/update/

Jun
7

Sozialwort 2.0. Alle nur noch IchAG? Soziale Bewegungen und das Internet

Am 1. Juni gab es im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen eine Live-Sendung bei DORF-TV, die ich moderiert habe. Thema war soziale Gerechtigkeit und das Internet. Mehr dazu gibt es unter http://kirche20.at/sozialwort nachzulesen.

Jun
5

ACT against ACTA

Am 9. Juni wird europaweit gegen ACTA demonstriert. Der passende Facebook-Event für Linzer_innen ist da, die Infos hier.

Ich selbst weiss noch nicht, wie ich das genau hinkriege, weil ich ja nach Rom fahre. Aber vielleicht hätte das auch einen Reiz, rauszufinden, was dazu in Italien los ist und mir mal bei einre Demo ganz woanders dabei zu sein ...

May
9

Der Begriff der Digital Natives II

Nachdem ich auf meinen ersten Beitrag zur Frage nach dem Begriff der Digital Natives so viel Feedback bekommen habe (Danke!), möchte ich die überarbeitete Form auch zur Verfügung stellen. Meine Diplomarbeit schreitet also voran, erfreulicherweise nicht nur an dieser Stelle. Beim Text ist aber zu bedenken, dass das ein Abschnitt aus der Arbeit ist, der etwas aus dem Zusammenhang gerissen ist, weil das davor und das danach hier fehlen. Irgendwann kommt aber sowieso die ganze Arbeit ins Netz..

Was sind Digital Natives? Der Begriff wurde von Marc Prensky geprägt, er greift den linguistischen Begriff der „Native Speaker“ auf und entwickelt ihn weiter. Als „Native Speaker“ werden Menschen verstanden, die in einer Sprache von der frühesten Kindheit aufgewachsen sind. „Digital Natives“ sind nach Prensky somit Menschen, die in einer Zeit erwachsen wurden, wo digitale Technologien wie Computer und das Internet bereits verfügbar waren. Entscheidend ist also das Alter der Personen. Das Gegenteil von „Digital Natives“ sind „Digital Immigrants“, die mit einem „Akzent“ in den virtuellen Welten unterwegs sind. Sie drucken beispielsweise Emails häufiger aus, können Informationen nicht so schnell verarbeiten und sind weniger multitasking-fähig. Prensky erklärt die Unterscheide mit Veränderungen im Gehirn.

Ähnlich wie in der linguistischen Debatte der Begriff der „Native Speakers“ umstritten ist (1), ist es auch der Begriff der „Digital Natives“. Der Begriff der Digital Natives, ebenso wie die synonym verwendeten Begriffe „Generation Y“, „Net Generation“ und „Millenials“, wird von vielen Medienwissenschaftler_innen auf Basis von Untersuchungen des Medienverhaltens kritisch gesehen (2). Ob sich das Nutzungsverhalten von älteren Personen, die intensiv das Social Web nutzen, qualitativ von dem der jüngeren Generation unterscheidet, ist umstritten. Vieles deutet darauf hin, dass das Alter als einziges Differenzierungskriterium auch für diese Frage wie andere gesellschaftliche Fragen nicht geeignet ist. Es gibt auch jüngere Personen, die ein Kommunikationsverhalten von „Digital Immigrants“ zeigen oder sogar „Digital Outsiders“ sind ebenso wie es Ältere gibt, die das Netz in einer Weise nutzen wie es Marc Prensky nur den Jüngeren zuschreibt.

Gründe für das prominente, aber problematische Labeling der Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegen nach Susan Herring in der zu starken Erwachenenperspektive, die einen “generational divide” konstruiert. Jan Schmidt spricht davon, dass damit die Vorstellung aus den 1990er-Jahren reproduziert werde, dass Internet sei ein „eigener Raum, ein 'Cyberspace' mit eigenen Gesetzen, Riten und Normen, der losgelöst von der 'realen Welt' existiere“.

Ein anderer möglicher Zugang zu dieser Frage ist nicht eine nutzungs- sondern eine stärker wertorientierte Sichtweise der Menschen, die intensiv das Internet und Social Web nutzen. Bekannt geworden ist dazu im deutschsprachigen Raum der Ansatz des Organisationspsychologen und Unternehmensberaters Peter Kruse, der sich auf der re:publica7 2010 mit dieser Frage beschäftigte. Kruse hat in einer repräsentativen Untersuchung „heavy users“ nach ihren Werten befragt und kristallisierte zwei Gruppen heraus: Die „Digital Residents“ und die „Digital Visitors“. Das Alter ist hier nicht das Unterscheidungskritierium, die Zweiteilung geht quer durch alle Generationen. Es geht bei diesen zwei Gruppen von intensiven Internetnutzer_innen um signifikante Unterschiede in den Werthaltungen und einen unterschiedlichen Umgang mit dem Internet. „Digital Resident“ zu sein nach Kruse, ist eine Werthaltung, kein Geburtsrecht. „Digital Residents“ leben weitgehend - sowohl beruflich wie privat - im Web, sie bringen eine große Offenheit für den Austausch mit und sehen die Online-Kontaktpflege mit anderen Menschen gleichwertig zur Kontaktpflege offline. Sie wollen gestaltend eingreifen. „Digital Visitors“ gehen nur ins Internet, wenn sie schnell und aktuell praktische Informationen erhalten wollen. Beziehungen bauen sie erst in der Offline-Welt auf bevor sie sie im Social Web weiterpflegen.

Wertorientiert ist auch die neue Studie des Deutschen-Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), die mit dem Sinusmodell arbeitet. Die DIVSI-Studie legt eine Differenzierung der bundesdeutschen Bevölkerung in „Digital Outsiders“, „Digital Immigrants“ und „Digital Natives“ nahe. Sie gibt allerdings keine Auskunft darüber, ob sie bei der Auswahl der zusammenfassenden Beschreibung der Internet-Milieus auf die dargestellte Debatte rund um die Begrifflichkeiten Bezug nimmt oder nicht. Die drei Segmente bzw. die sieben Internetmilieus entstanden auf Basis von qualitativen, repräsentativen Interviews. Die Gruppen werden wie folgt gefasst:

Digital Outsiders (39 Prozent): Sie sind entweder offline oder verunsichert im Umgang mit dem Internet. Ausgehend von 72 Millionen Menschen in Deutschland ab 14 Jahren, stellt das Internet für 27 Millionen eine digitale Barriere vor einer Welt dar, von der sie sich ausgeschlossen fühlen.
Digital Immigrants (20 Prozent): Sie bewegen sich regelmäßig, aber sehr selektiv im Internet. Sie sind in der digitalen Welt nicht aufgewachsen und stehen vielen Entwicklungen sehr skeptisch gegenüber, insbesondere wenn es um das Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet geht.
Digital Natives (41 Prozent): Für sie stellt die digitale Welt einen wesentlichen Teil des Lebens dar. Sie bewegen sich im Internet wie ein Fisch im Wasser – mit dem Lebensmotto „ich surfe also bin ich“. Sie stehen dem Internet sehr positiv gegenüber und sehen die fortschreitende Digitalisierung primär als persönliche Chance.“

Insgesamt ergibt sich für die Begrifflichkeiten ein mehr als unstimmiges Bild. Offenbar ist „Digital Native“ in der wissenschaftlichen Debatte weniger ein klar bestimmter Begriff als eine häufig verwendete Metapher, die eine gesellschaftliche Veränderung anzeigt. Jedenfalls scheint es gute Gründe zu geben, eine rein am Hineingeborensein ins digitale Zeitalter orientierte Definition des Begriffes nicht vorzunehmen, da dieses Kriterium alleine dem Phänomen nicht gerecht wird. Festzuhalten ist auch, dass es Forschungsbedarf rund um den Begriff der „Digital Natives“ gibt, gerade auch, weil dieser gesellschaftlich so populär verwendet wird.

Für die vorliegende Arbeit, die sich nicht ausschließlich mit Fragestellungen der Jugendpastoral beschäftigt und die in der grundsätzlichen Fragestellung auf wertorientierte Kommunikation abzielt, sind wertorientierte Ansätze der Begriffsbestimmung sinnvoller. Die DIVSI-Studie arbeitet mit dem Sinusmodell, das in der weiteren Folge dieser Untersuchung relevant ist und im folgenden Abschnitt genauer dargestellt wird, weil hier theologisch diskutierte Zielgruppenuntersuchungen für die Fragestellungen der Kirche und Glaubenskommunikation vorliegen. Aus diesem Grund verwende ich in der weiteren Diskussion den Begriff der „Digital Natives“ in der Fassung der DIVSI-Studie. Die von Peter Kruse vorgeschlagene und in der Argumentation sehr plausible Differenzierung findet sich dort in gewisser Weise auch wieder, weil es insgesamt sieben Internetmilieus gibt und die „Digital Natives“ noch einmal unterschieden werden. Das Milieu der „Digital Souveränen“ kommt vermutlich jener Gruppe, die Kruse „Digital Residents“ nennt in der Wertorientierung am nächsten. Ob das aber wirklich so ist, kann aber in diesem Rahmen nicht nachvollzogen werden, weil von Kruse nur sehr eingeschränkt Studienmaterialien öffentlich zugänglich vorliegen und der Abgleich zweier unterschiedlicher empirischer Forschungsansätze den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

(1) Vgl. Tronnier, Nemo, Rekonstruktion jugendlicher Erfahrungsräume im Internet, Norderstedt 2011, 5
(2) Ein prominenter Kritiker ist der Pädagogikprofessor Rolf Schulmeister, der verschiedene Studien zur Mediennutzung verglichen hat und daraus schlussfolgert, dass es keine Belege für eine andere Mediennutzung junger Menschen gibt. Vgl. Schulmeister, Rolf, Gibt es eine »Net Generation«?, Hamburg 2009

Foto Flickr CC by-sa Gideon Burton

Besser? Ich freue mich über weitere Rückmeldungen!

Apr
3

Facebook-Cops. WTF.

copDas Innenministerium schickt sogenannte 300 Spezialermittler in die Schulen. Abgesehen davon, dass es wohl auch Spezialermittlerinnen geben könnte, frage ich mich ganz viel:

Was zeichnet Polizist_innen aus, um Schüler_innen den kompetenten Umgang mit Social Media zu vermitteln? Bekommen die jetzt alle eine medienpädagogische Ausbildung, die wohl mehr sein müsste als ein eintägiger Schnellsiedekurs?

Warum gibt es keine medienpädagogischen Projekte, wo junge Leute in kreativer Form Möglichkeiten finden, sich Kompetenzen anzueignen, sondern blosse Information über "Cyberkriminalität, Social-Media-Angebot und Onlinemobbing"?

Was spielen da Eltern und Lehrer_innen für eine Rolle? Sind die wurscht, weil eh die Cops die Sache übernommen haben?

Warum tut das Innenministerium so als ob es die seit Jahren sehr kompetent arbeitende Initiative Saferinternet nicht gäbe? Die Leute da haben wohl mehr Ahnung von der Sache und von der Kommunikation mit Schüler_innen als Polizist_innen und wenn mehr Bedarf da ist, liese sich das ja ausbauen.

Ist das alles sowieso nur Stimmenfang für die ÖVP, um ein Klientel zu bedienen, dass wieder mal nach mehr Kontrolle schreit?

Ergänzungen gerne möglich ...