Creative Commons

Sep
27

Vorschläge und Ideen für die freie Lizenzen-Förderung der Stadt Linz gesucht!

CC-Torte

Gestern war eine Sitzung des Stadtkulturbeirats und dort wurde das Thema der freie Lizenzen-Förderung seitens der Linz Kultur (Blogpost von Severin Mayr, mein Blogpost dazu) debattiert. Nachdem auch alle anwesenden Mitglieder des Stadtkulturbeirats der Meinung waren, dass diese 10%-Zusatzförderung ein interessanter, zukunftsweisender Ansatz ist, es aber einfach einiges an Klärungs- und Handlungsbedarf gibt, haben wir vereinbart, dass in nächster Zeit ein Termin mit Linz Kultur, mit Dr. Leisch, dem Leiter der Förderabteilung, stattfindet. Da soll es um zwei Dinge gehen:

1. Klären, wie es möglich ist, dass in der Beantwortung der Gemeinderatsanfrage davon gesprochen wird, dass alle Anträge auf die Zusatzförderung positiv behandelt wurden und so die 660.- Euro Förderung in drei Jahren zustande kamen - und es gleichzeitig Vereine wie JunQ.at gibt, die diese Förderung beantragt haben, aber sogar weniger Förderung bekommen haben als im Vorjahr.

2. Gemeinsame Arbeit an einem praktikablen Förderkonzept, dass dafür sorgt, dass diese Förderung in ihrer konkreten Abwicklung handhabbarer (erste Überlegungen stehen eh schon in den verlinkten Blogposts) und natürlich auch bekannter wird.

Dabei wäre Deine Mithilfe super:

1. Welche weiteren Vereine, Projekte, Künstler_innen gibt es, wo das mit der freie-Lizenzen-Zusatzförderung nicht geklappt hat? Welche sonstigen Erfahrungen gibt es damit?

2. Wer hat Lust am Zukunftskonzept mitzudenken? Das geht einerseits, indem ihr mir einfach eure Überlegungen mitteilt und ich diese dann weiterkommuniziere, aber gerne auch beim Dabeisein beim Termin mit LinzKultur.

Bitte nutzt doch den Kommentarbereich oder nehmt sonstwie mit mir Kontakt auf! Ich bin recht optimistisch, dass - trotz der allgemein tristen Lage in Sachen Kulturförderungen der Stadt Linz - in dieser Sache etwas positiv weiterzubringen ist. Der Stadtkulturbeirat wird da gewiss ein Auge darauf haben. Die Mühe lohnt also und mit freien Lizenzen arbeiten wir da definitiv an zukunftsweisenden Kulturförderlösungen!

Sep
15

Gut gemeint? Zusatzförderung für freie Lizenzen der Stadt Linz bei Kulturprojekten

Schon eine Weile fördert die Stadt Linz Kunstprojekte, deren digitale Produkte unter einer freien Lizenz veröffentlich werden, mit einer Zusatzförderung von 10%. Eine gute Sache, würde ich ansich mal sagen, und das passt auch hervorragend ins Bild der Open Commons Region Linz. Severin Mayr, Gemeinderat der Grünen, hat nun mittels einer Anfrage im Gemeinderat nachgefragt, wie denn diese Initaitive so genutzt werden. Das Ergebnis ist ernüchternd:

Das Positive zuerst: Alle Anträge auf Sonderförderung wurden genehmigt. Die Einschränkung: Es gab bislang laut Anfragebeantwortung erst 8 Ansuchen (2009: 2; 2010: 0;2011: 6). Insgesamt wurden seit 2009 ganze 660 Euro an zusätzlicher Förderung für unter eine Freien Lizenz veröffentlichte Kunst- und Kulturprojekte ausgeschüttet.

Severin hat sicher recht, dass es Sinn machen würde, wenn die Stadt diese Möglichkeit aktiver bewirbt. Ich leiste da ja jetzt auch gleich noch einen Betrag dazu, indem ich darüber blogge ;-) Zusätzlich glaube ich aber, dass diese Zusatzförderung auch seitens der Kulturpolitik und -verwaltung noch nicht wirklich durchdacht ist.

Das derzeit geltende Urheberrecht macht es manchen KünstlerInnen einfach gar nicht möglich diese Förderung zu nutzen, weil sie vertraglich exklusiv z.B. an die AKM gebunden sind und daraus auch für sie relevante Einnahmen generieren. Da geht es dann - so wie ich das als Nicht-Juristin verstehe - gar nicht, ein einzelnes Werk unter eine CC-Lizenz zu stellen. Alles oder gar nichts ist die Devise. Dieser Umstand ist aber zugegebenermassen von der Stadt Linz kurzfristig nicht zu ändern, die Creative Commons Initiative zeigt, dass da durchaus auch auf politischer Ebene darüber nachgedacht wird, ob das Urheberrecht heute noch zeitgemäß ist oder eher ein Relikt aus dem vorherigen Jahrhundert. Sinnvoll wäre es meines Erachtens hier stärker in den Service- und Beratungssbereich zu investieren. Im Dschungel des Urheberrechts brauchen Kulturschaffende Unterstützung, um herauszufinden, was für sie persönlich unter den gegebenen Umständen Sinn macht. Derzeit wüsste ich nicht, wo ich da in Linz mit Fragen hingehe, außer vielleicht zur KUPF, die aber ja eigentlich für die Kulturvereine und nicht EinzelkünstlerInnen zuständig ist. Das müßte ja auch nicht unbedingt die Stadt selbst machen, sondern gerade die KUPF zeigt, dass auch für so praktische Dinge selbstorganisierte Zusammenhänge am besten funktionieren - dann, wenn sie dafür auch entsprechende öffentliche Förderungen bekommen und so etwas auch professionell leisten können.

Der zweite Aspekt, wo die Kulturverantwortlichen Handlungsbedarf hätten, liegt sehr wohl im eigenen Bereich der Stadt. In den Informationen zur Förderung ist zwar angeführt, welche Medien davon profitieren könnten, doch ist mir völlig unklar wie die kontextbezogene Einbindung in künstlerisch-kulturelle Projekte oder auch die Jahrestätigkeit von Kulturvereinen ausschaut. Ein guter Teil kreativer, digitaler Produkte entsteht in Prozessen, beispielsweise wird in Workshops gemeinsam produziert oder die Dokumentation eines Kunstprojekts erfolgt mittels unterschiedlicher Medien. Wie schaut das dann aus? Was wird dann gefördert? Der ganze Projektprozess oder nur bspw. die unter CC-Lizenz erscheinende Publikation? Wie läuft dann das Förderverfahren? So lange das nicht wirklich klar geklärt und kommuniziert ist, werden mache sich wohl denken, das lohnt sowieso nicht, denn dass Kulturförderungen der Stadt sowieso immer eher gering ausfallen (Ausnahmen bestätigen die Regel!), ist bekannt.

Und was ist eigentlich mit servus.at, jener Initiative, die seit Jahren selbst konsequent auf freie Software setzt und aktiv die Produktion freien Contents in der Kultur-Szene unterstützt? Wenn ich nicht den Buchstaben der Förderrichtlinie folge, sondern der eigentlichen verkündeten Intention, freie kreative Inhalte mehr zu unterstützen, müßte die Stadt gerade da mehr investieren. Die Förderungen der Stadt für servus.at sind aber mehr schlecht als recht, seit Jahren.

Handlungsbedarf! Definitiv Handlungsbedarf, würde ich sagen. Sonst schreibe ich bei nächster Gelegenheit keinen Blogbeitrag mehr über eine ansich gute Sache, sondern über eine Alibiaktion, die noch dazu billig hergeht mit € 660.- in drei Jahren. Bleibt nur noch die Frage, wer das hier überhaupt liest ;-)