blogozese

Feb
17

Fleischfreitag - Anleihen am Christlichen

Das Land OÖ. macht eine neue Aktion. Mit Fleischfreitag wird dafür geworben, am Freitag kein Fleisch zu essen, sondern zu vegetarischen Alternativen zu greifen. Gasthäuser werden eingebunden, usergeneriert werden Rezepte gesammelt. Insgesamt eine gute Sache, um einen verantwortlichen Konsum zu fördern, denn bekannt ist, dass zuviel an Fleisch für die Umwelt und die Menschen schädlich ist. Das Thema wird sehr positiv und professionell kommuniziert.

Letzte Woche ist mir eine Broschüre dieser Aktion untergekommen und nun habe ich mich auf der Website umgesehen. Was ich da als Theologin bemerkenswert finde: Mit dem Freitag als fleischfreien Tag wird unmittelbar und offensichtlich Anleihe an einer christlichen Tradition genommen, aber es ist im Rahmen dieser Aktion kein Wort davon die Rede, warum es ausgerechnet der Freitag ist.

Ja, natürlich eignet der sich für das gelungene Wortspiel, aber ich glaube, das ist es nicht alleine. Hier wird in geschickter Weise Tradition und Neues verbunden und das gefällt mir.

Heutzutage wird das mit dem fleischfreien Freitag ja in der Katholischen Kirche als Empfehlung, aber überhaupt nicht mehr als unbedingte Vorschrift gehandhabt. Welche Formen des Verzichts jemand wählt am Freitag, ist jedem selbst überlassen und mein Eindruck ist, dass diese Freitags-Tradition schon lange nicht mehr Common-Sense ist. Gleichzeitig gibt es in den Kirchen eine intensive Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsthemen, mit der Bewahrung der Schöpfung, und durchaus auch damit, wo hier persönliche Beiträge liegen können.

Ich finde es interessant, wie hier säkularisierte Welt und eine fast schon verschwundene katholische Tradition zusammenkommen. Irgendwie hat das was Ambivalentes, aber ich glaube doch, dass hier mehr Chancen drinnen stecken als man_frau auf den ersten Blick meinen möchte.

Ich esse zwar sowieso nicht jeden Tag Fleisch (und wenn dann immer Bio, wenn es irgendwie geht), aber finde es für mich persönlich interessant, da über Rhythmen nachzudenken, wann ich was esse oder wann eben nicht.

Jan
24

Social Media. Kommunikationsräume mit Digital Residents eröffnen

Heute habe ich im Rahmen des interdisziplinären Oberseminars an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz einen Vortrag (mehr oder minder) über das Thema meiner pastoraltheologischen Diplomarbeit gehalten.

Ich glaube, das ist ganz gut gelaufen und war interessant für die Teilnehmenden. Jedenfalls habe ich selbst viele spannende Anregungen bekommen und hätte natürlich gleich wieder mindestens fünf weitere Themen für Diplomarbeiten und so. Naja, so ist das halt ;-) Ich bleibe trotzdem bei meinem Thema und hoffe, das ich das energietechnisch hinkriege, das Ding dann auch wirklich zu schreiben und nicht nur drüber vorzutragen und zu diskutieren.

Hier gibts die Slides dazu:

Wer weitere Fragen hat und überhaupt ganz was anders meint: Ich freue mich über Kommentare, Anregungen und Kritik!

Foto Flickr CC by-nc-sa waferbaby

Oct
21

Religion, Ethik, Öffentlichkeit in mehr als 140 Zeichen

Heute ist wieder mal eine kleine Hin- und Her-Twitterei über Religion ausgebrochen. Mein Resümee war dann, dass das, was dort inhaltlich verhandelt wird, einfach den Rahmen sprengt, den 140 Zeichen so vorgeben. @digiom hat vorgeschlagen, ich möge doch mal drüber bloggen. Also tue ich das, auch wenn ich mir eigentlich denke, dass auch ein Blogpost viel zu wenig ist für die komplexe Materie. Wenn ich das so biografisch bedenke, dann stelle ich fest, dass ich - um das Verhältnis Religion - Gesellschaft und meine eigene Position da drin irgendwie klar zu kriegen, mindestens ein ganzes Theologiestudium gebraucht habe und eigentlich da selbst noch immer mehr Fragen als Antworten habe. Ja, aber so ist das halt, ich bin sowieso keine Freundin von vorschnellen und allzu fixen Antworten. Meine Motiviation überhaupt Theologie zu studieren, liegt tief da drin vergraben in diesem Thema.

Oct
12

#sbsm - Soziale Bewegungen und soziale Medien

Zwar habe ich auf Kirche 2.0 über #sbsm gebloggt, es aber bisher verabsäumt das hier entsprechend zu tun. Das ist ein Fehler, der geändert werden muss!

Wer #sbsm nicht kennt, sollte es kennenlernen. Ebenso wie die Leute, die hier als Avatare sichtbar sind :-(Naja, den Obama vielleicht nicht wirklich, der ist ein Kriegsherr und Handlanger der Banken und Konzerne wie die anderen US-Präsidenten auch).

#sbsm ist ein Buch, eine Website und ein Camp. Das Buch ist ein Kind des Web, im Web steht mit CC-Lizenz alles, was im Buch steht und das Camp ist die Face2Face-Vernetzungsveranstaltung dafür. Viele von euch werden #sbsm sowieso schon kennen, weil es mit dieser Verschränkung meiner Meinung nach hervorragend gelungen ist, dass darüber im Web geredet wird, Menschen sich aktiv austauschen und vernetzen. Ich habe da auch was geschrieben in diesem feinen Buch, aber wie das mit Büchern so ist, ein paar Kleinigkeiten würde ich heute schon wieder anders sagen. Aber gedruckt ist gedruckt ;-)

#sbsm ist aber auch eine Bündelung von Aktivitäten im Social Web, die sich diesem Thema aus der Perspektive von sozialen und nicht-kommerziellen Organisationen, Bewegungen und Kampagnen nähern. Ganze Bücherregale voll gibt es dazu, wie Unternehmen im Social Web kommunizieren können (ehrlich, ich habe kaum was davon, weil die besten Social Media Marketing & Co. Dinge sowieso in Blogs und nicht in Büchern stehen). Letztlich geht es da immer darum, dass sich das Engagement im Internet irgendwann mal rechnen muss: ROI, Conversion Rate und was es da alles an Buzzwords gibt. Bei den sozialen Bewegungen ist das anders, die Blickrichtung ist eine andere, das Ziel ist ein anderes. Manchmal sind die Tools die gleichen, aber die Wahl der Tools folgt hoffentlich dem Inhalt und nicht umgekehrt ;-) Gleichzeitig ist aber das Feld sozialer Bewegungen in sich sehr differenziert, von Grassroot-Initiativen über anlassbezogene Protestbewegungen bis zu lange gewachsenen Institutionen wie der Arbeiterkammer, den Gewerkschaften oder auch der Kirche (ja, der Kirche, wenns wen interessiert, erkläre ich gerne mal, warum ich das so sehe). #sbsm versammelt sehr unterschiedliche Zugänge und ich bin davon überzeugt das ist bereichernd, wenn das Social Web dazu beiträgt, dass die, die doch sowieso irgendwie auf der gleichen Seite stehen, mehr voneinander wissen und voneinander lernen.

Vom Buch gibt es einen Klappentext. Weiterblättern online geht von dort aus auch sehr gut, alle Beiträge sind dort verfügbar und noch ein bisserl mehr. Wer das Buch in Händen halten will, kann es über jede Buchhandlung bestellen, es ist - was für manche meiner Kolleg_innen in der Kirche vielleicht praktisch ist - auch im Behelfsdienst im Pastoralamt Linz erhältlich. Wer aber näher ins Thema eintauchen will, der oder die sollte das #sbsmCamp nächste Woche in Wien nicht verpassen. Ich bin da dort und habe mit Erschrecken festgestellt, dass es der liebe Hans Christian Voigt geschafft hat, mich für drei Dinge einzuteilen. Ich mache einen Facebook-Strategie-Workshop, leiere eine Feminismus 2.0 Diskussionsrunde an (sehr offen, mal sehen, was draus wird) und habe auch noch einen kleinen Input bei der Session zur Mitgliederkommunikation zugesagt. Cu there!

Oct
4

Kirche 2.0, alles neu!

Heute war es nun endlich so weit, Kirche 2.0, das Webprojekt an dem Maria Schmidt und ich in letzter Zeit intensiv gewerkelt haben, ist online gegangen.

Auf Kirche 2.0 geht es - no na ned - um das Thema Kirche und Social Media, neben einem Blog gibt es auch zahlreiche weitere Informationsbereiche, unter anderem auch ein eBook zum Thema. Die Page ist ein Angebot des Kommunikationsbüros der Diözese Linz in Kooperation mit der Katholischen Aktion Oberösterreich. Strategisch geht es mit dieser Page darum, engagierte ChristInnen bei ihrem Einstieg ins Social Web zu unterstützen und zu begleiten und das Thema ansich voranzutreiben. Denn Potential hat das allemal, gerade gestern habe ich wieder mal bei einem sehr spannenden Vortrag an der Uni von Ansgar Kreutzer davon gehört, dass wir Christ_innen eine universale Heilsbotschaft für alle Menschen haben. Da ist doch klar, dass das auch im Social Web stattfinden muss!

Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht mit Kirche 2.0; eine Basis für eine gute Weiterentwicklung ist damit jedenfalls geschaffen und erste Feedbacks auf Twitter zeigen mir, dass das Projekt gefällt. Für mein Blog hier gilt weiter, dass alles, was ich spezifisch zum Thema Kirche und Social Media schreibe, im Normalfall weiter hier nicht zu finden sein wird, sondern eben auf Kirche 2.0. Wer das also lesen mag, sollte sich den RSS-Feed von Kirche 2.0 schnappen. Viel Vergnügen damit!

Sep
27

Kommunikationsräume mit Digital Residents eröffnen. Pastoral 3.0. (Slides)

Von 23. bis 25. September 2011 war ich auf der Tagung Personen im Web 2.0 - Theologische Perspektiven in Göttingen. Ich werde da noch an passender Stelle, sprich dort, wo ich sonst immer über Kirche und Social Media blogge, drüber berichten. Doch hier mal meine Slides. Ich habe einige Momente aus meiner Diplomarbeit vorgestellt, wo es um das Thema kirchliche Kommunikation mit Digital Residents aus der Perspektive der Sinusstudien geht und mich über die interessierten Rückmeldungen sehr gefreut. Offenbar hat das Plausibilität, wie ich das Thema denke. Ich hoffe die Motivation hält an, denn bei der Arbeit ansich liegt noch ein gutes Stück des Weges vor mir.

Update: Ausführlicher, aber sehr subjektiver Bericht auf Kirche 2.0

Sep
18

Kein ruhiges Wochenende!

So richtig zum Ausrasten ist es nicht dieses Wochenende, aber ich bin so guter Dinge, weil derzeit alles so toll klappt. Die Freude möchte ich gerne mit euch teilen.

Gestern hatte ich, gemeinsam mit Bernhard Rudinger von der KA OÖ, das Vergnügen bei der Katholischen Jungschar OÖ einen Input zur Sinus U27 Studie und zum Thema Engagementbereitschaft Jugendlicher zu liefern und dann da drüber zu diskutieren. Naja, um Social Media ist es auch gegangen, wie immer. Das war ausgesprochen produktiv und ich denke auch sehr nützlich für die Weiterarbeit der KJS mit Kindern und Jugendlichen. Ganz im Sinne der "Generation Benefit" ;-)

Und heute ist der Tag des Zuschauens: Gemeinsam mit Maria Schmidt habe ich für das Kommunikationsbüro der Katholischen Kirche in OÖ ein Mitmach-Webprojekt umgesetzt. Beim heutigenTag des Pfarrfotos werden Pfarren eingeladen, ein Fotos der sonntäglichen Kirchgänger_innen vom Kirchturm zu machen und das Foto auf einer Website hochzuladen. Das klappt total super, viele machen mit und es ist ein richtiges Sonntagsvergnügen dem fast minütlichen Eintrudeln der Pfarrfotos zuzuschauen und die kreativen Umsetzungsvarianten zu bewundern. Nettes Feedback von weit weg ist auch schon gekommen und mir gefällt, dass damit so schön die Vielfalt und Kreativität in den Pfarren in einem gemeinsamen Bild sichtbar wird.

Ein guter Tag!

Sep
13

"Diese Zeiten liegen hinter uns, wo Dinge einfach ausgeblendet werden, nur weil sie uns nicht gefallen"

Ich möchte nur kurz auf diesen wunderbaren Blogeintrag von Philaeus, der sich selbst als Atheist bezeichnet, hinweisen. Auch wenn ich nicht alles 100%ig genau so sehe, ist es wirklich eine Freude so eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema Religion im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu lesen. Da gehts lang: Re: "Religion und ORF" - Der kleine Unterschied zwischen Religionsfeindlichkeit und sachlicher Kritik

Aug
28

Create your world!?

Otelo organisiert im Rahmen der Ars Electronica ein Barcamp und lädt zur Blogparade. Das Thema des ganzen Events ist Create your World, es ist die Jugendschiene der Ars.

Als Theologin ist dieser Slogan "Create your World" einer, der mich aufmerken lässt. Wirklich? Kreiieren wir die Welt - oder ist diese Welt nicht vielmehr von Gott geschaffen* und ein Geschenk an uns Menschen? Ich denke dann aber gleich an Dorothee Sölle und ihre Rede von den Mit-Schöpfer_innen, die wir Menschen sind und werde gleich versöhnter. Gott hat uns die Welt nicht gegeben, um passiv zu sein, sondern um sie zu gestalten. Und wie wir das tun, ist überhaupt nicht wurscht, sondern das das alles hat etwas mit dem guten Leben für alle Menschen zu tun. Sobald ist daran glaube, dass diese Welt von Gott geschaffen ist, lebe ich anders. Vor allem heisst dann gutes Leben nicht Machbarkeit um jeden Preis, nicht immer noch mehr und mehr, sondern auch mal Innehalten und nachdenken, was da eigentlich passiert und wohin das führt. Und das was wirklich wichtig ist, ist nicht selbstgeschaffen, sondern ein Geschenk. Gnade nennt sich das in theologischer Sprache, die heutzutage furchtbar antiquiert klingt und in so einem Blog wie meinem nur in sanften Dosen verwendbar ist ;-)

In der Blogparade wird gefragt, ob Bloggen und Barcamps die Welt verändern können. Ja, klar. Welche Frage! Interaktive Kommunikation im Internet verändert und Barcamps sind genau aus dieser Kultur des Miteinanders entstanden. Man_frau muss gar nicht nach Ägypten oder China schauen, um zu erkennen, dass der offene Zugang zu Medien Demokratie und Partizipation fördert. Ein Blick aufs Ganze, die Frage nach dem Woher und Wohin, an die uns schon das Wort "Gott" erinnert, ist da durchaus gut, denn das verhindert, dass wir in aller Euphorie all zuviel an Heilserwartung mit dem Internet verbinden und eng im Blickwinkel werden. Create your World gibt es auch ohne Internet ;-)

Aug
17

Memento Mori

Jede Photographie ist ein Memento Mori

- Susan Sontag

via Kulturtechno